„Du bist ja einem Entzückten gleich.“
„Und Du einem Erstaunten. Es ist wahr, ich dachte nicht daran, daß Du ein Kind des achtzehnten Jahrhunderts seyst; aber wer kann sich auch immer daran erinnern? — Ich muß Dir nun wohl erst eine umständliche Vorbereitung geben, wenn Du den heutigen Tag recht schmecken sollst. Aber wahrhaftig, ich bin grade izt zu den Vorbereitungen wenig aufgelegt.“
„Nur kurz und bündig den Inhalt und die Ursach des Festes!“
„Das ists eben, wovor ich mich fürchte; da muß ich Dir ja eine besondre Rede über unsre Feste halten.“
„Nur Skizze!“
„Wahrhaftig, mehr sollst Du auch heut nicht von mir fodern dürfen. — Also Ursach und Inhalt des Fests? — Ursachen kann ich Dir von dieser Feierlichkeit nicht mehr und nicht weniger angeben, als von jeder andern. Man will dadurch Herz und Geist des Volks erfreun, den Umlauf des Geldes rascher befördern, Gemeingeist und Brudersinn erwecken und was man nun von solchen Gelegenheiten mehr anzugeben pflegt. — Vor Zeiten wurden mehr Kirchen- als Nationalfeste gefeiert; seit anderthalbhundert Jahren sind mehr National- als Kirchenfeste. Vor Zeiten war fast jeder Sonntag ein christlicher Festtag, izt ist der Sonntag nur Ruhetag und großer Volksfeste haben wir in jedem Jahresviertel nur ein einziges.“
„Und die christlichen Kirchenfeste?“
„Sind beinah sammt und sonders secularisirt. Die Welt hat an ihnen nichts verloren; gewiß aber mit ihrem Verlust gewonnen.“
„Das möcht’ ich nicht behaupten. Die Religion der Christen hat unstreitig durch die Aufhebung oder Secularisirung der Feste von ihrer Autorität und Wirksamkeit vieles eingebüßt.“ —
„Laß doch die Religion einbüßen, wenn die Menschheit nur Vortheile erringt.“