„Sie wagen viel, schöne Imada!“ stotterte er.

„Wagen? was wag ich?“

„Tanz, Wein und Gesang und leichtes Blut, Einsamkeit, halbe Ermüdung und Nacht, welche gefährliche Feinde unsrer Tugend!“

„Wir haben von Wein, Tanz, Gesang und Einsamkeit nichts zu fürchten — sie sind keine Feinde der Tugend — nur die Männer sinds!“ lispelte sie und lächelte mit schelmischem Blick zu ihm hinauf.

„Das war bitter! dafür verdient dieser lose Mund die härteste Strafe!“ entgegnete Duur und küßte des Mädchens Lippen. — Sie küßte zurück — wie brennendes Feuer durchliefs ihm Adern und Nerven.

Man schwieg; wie konnte in so süßen Beschäftigungen der Mund zum Plaudern gemißbraucht werden? Duur ward ungestümer — matten Widerstand leistete die Müde. Man zankte flüsternd und versöhnte sich küssend.

„Eva’s Töchter bleiben sich gleich durch alle Jahrhunderte!“ dachte Duur, und sank berauscht mit seinen Lippen auf ihren schönen Busen.

Plötzlich brach die — Unbesiegte in ein helles Gelächter aus: „Sie sind geschminkt; geschminkt! ich hab’ Ihnen abgeblasen Ihre Tugend!“ rief sie lachend, stand auf, entschlüpfte aus seinem Arm, aus der Hütte und verschwand im Gebüsch.

Tiefbeschämt und erröthend verweilte Duur einen Augenblick auf der Stelle — bald sammelte er sich wieder, flog der Fliehenden nach und rief ihren Namen.

„Imada!“