Er sah sie nicht; statt ihrer erblickte er ein andres Frauenzimmer, welches, aufmerksam durch sein Rufen sich zu ihm hindrehte. Im hellen Mondenschein erkannt’ er das Gesicht der Fremden — sie war ihm sehr bekannt — sie war — Imada, Gabonnens Nichte!

„Ach!“ rief Florentin, und blieb wie festgewurzelt stehn.

„Ach!“ rief Imada, indem sie bei Florentins Anblick einen Schritt rücklings bebte.

Neuntes Kapitel.
Hoffnungen. — Die Todtenfeier.

Solch’ ein Wiederfinden, dem einen sowohl als dem andern unvermuthet und überraschend, mußte sie Beide auf einige Augenblicke entgeistern.

Er näherte sich der schönen Erscheinung, begrüßte sie schüchtern und erinnerte sich seines schändlichen Sündenfalls in der Laube. Er freute sich, die „Theure, Liebe,“ so bald, so unerwartet wiedergefunden zu haben — und doch war ihm die plötzliche Erscheinung so demüthigend in diesem Augenblick, daß er vieles darum gegeben hätte, seinem Herzen die unangenehme Empfindung zu sparen.

„Ich suche meinen Oheim,“ sagte Imada, indem sie sich an seinen Arm lehnte: „er befindet sich drüben, in jenem Lusthause. Wollen Sie mich begleiten?“

Duur gehorchte gern.

„Mein Oheim will sich einen ruhigen Winter in Mont-Rousseau bereiten; deswegen hat er einige Reisen zu machen, auf welchen ich ihm Gesellschaft leiste. Wir fahren in einer Stunde wieder ab. — Wo haben Sie Ihren Freund Josselin?“

„Er hat mich schon heut früh verlassen; Gott weiß, wo er umherschwärmen mag.“