„Dann will ich Sie dreimal mehr, als heut lieben, und — — — doch ich verspreche gern weniger, um doppelt mehr zu leisten.“

„Imada!“ tief Duur und schlang seinen Arm mit Entzücken um das holde Weib: „wie dürft’ ich in meinen frechsten Träumereien wohl bis da hinausschwindeln!“ —

Es erfolgte eine Pause.

Der Mond sank in ein düstres Meer von Wolken — hin und wieder schimmerte das zitternde Licht einer verglimmenden Lampe; in der Ferne das Todtenfeuer — sonst tiefe Dunkelheit um die beiden, deren Lippen schwiegen, deren Seelen feierlich zu einander sprachen.

Vertraulicher durch Nacht, verheelte Lieb’ und das goldne Ohngefähr, welches, sonderbar genug, sie hier zusammenführte, schlossen sie sich dichter an einander, und überliessen sie sich fessellos dem sanften Drange ihrer Empfindungen.

„Du naschest von verbotner Frucht!“ lispelte Imada.

„Und sie ist so süß!“ erwiederte Duur. Er stammelte ihr dass heiligste und theuerste Wort jeder Sprache, das Wort: Liebe vor, ungeachtet er sein Unglück voraussah, wenn ein andrer dereinst Imaden vor dem Altar an sich fesseln würde. Aber eben der Gedanke an diesen möglichen Augenblick erfüllte ihn mit Muth; er wollte einen Raub begehn; er fühlte es tröstlich für sein eignes Herz Imada’s Herz zu überwinden; — „vielleicht,“ dacht’ er: „wenn ich sie abwendig mache von dem glücklichen Gegner, und das Ohngefähr einst ihren Oheim sanfter gegen mich stimmt — vielleicht giebt sie mir dann meine verwegensten Wünsche erfüllt zurück.“

Imada, viel zu schlau, nicht den glücklichen Moment zu benutzen in der Gesellschaft eines Mannes, der in ihrem schönen Herzen schon eine Stelle erobert hatte, ehe er seine Siege selber wußte, Imada stammelte „Liebe,“ und verbarg ihr Angesicht schaamhaft an seine Brust.

„Können Sie denn wirklich ein Mädchen lieben, welches dem einstigen Gemahl schon treulos wird, ehe einmal der Frühling der Ehe begonnen ist?“

„War der Frühling nicht von jeher dem Winter treulos? Sollen Sie allein die Ausnahme machen? Sie sollen einen Mann lieben, der wie Sie mir selbst sagten, an Gold und Jahren reich ist, aber von dessen Herz Sie nicht die mindeste Kundschaft besässen, wie kann man da Ihrem Herzen verargen, wenn es sich nach den goldnen Abwegen der Freiheit sehnt?“