„Duur! Duur! Sie sind ein Bösewicht, ein fürchterlicher Bösewicht, der seine Beredtsamkeit nie mit besserm Glück, als bei den Weibern verwendet. Duur ist das Recht? — Was würden Sie sagen, wenn Sie sich ein Mädchen gewählt hätten, um mit ihm das Erdenleben himmlisch hinzubringen; wenn Sie wirklich von diesem Mädchen nicht gehaßt, sondern geschäzt, wenn auch noch nicht geliebt, würden, und ein andrer käme und schwazte mit süßem Munde ihm Herz und Liebe ab — Duur, und Sie müßten eine Treulose zum Altar führen!“

„Imada!“

„Was würden Sie sagen, wenn die Gattin in Ihrem Arm entschlummerte, um von einem Geliebtern zu träumen? wenn sie sich, beim heissesten Kusse, bei der glühendsten Umarmung einen andern dächte? wenn sie in der Einsamkeit nach einem Fremdling seufzte und ihre Thränen nicht Ihnen flössen? — Und Sie spürten die traurige Verrätherei, sahen sich um die Paradiese betrogen, welche Ihnen die Liebe des Mädchens aufzuschliessen versprach.“ —

„Imada — ich fühl’ es — ich bekenne es.“ —

„Duur, Duur, es ist grausam, es ist gottlos, einen Feuerbrand in die friedliche Wohnung glücklicher Menschen zu werfen, und doch ihn nicht löschen können und wollen. Aber es ist noch unendlich grausamer, ein Herz um seinen Frieden zu betrügen, das stille Glück einer Ehe zu vergiften, ohne dafür etwas wieder geben zu können. Niedergebrannte Städte können endlich wieder erbaut werden, aber Hymens Rosenbande, einmal zerrissen, können nie wieder so innig, als vorher, zusammen geflochten werden.“

Duur war durch diese Rede bis in sein Innerstes erschüttert — er drückte wehmüthig Imada’s Hand.

„Ist wirklich Ihr einstiger Gatte zweimal und dreimal Ihnen an Jahren überlegen?“

„Er ists.“

„Sind Sie gezwungen, sich mit ihm zu vermählen?“

„Ich bins. Noch mehr, ich hab’ ihm meine Hand angetragen, selbst angetragen, und will sie ihn nicht wieder rauben.“