„Dann leben Sie wohl, Imada! — dann verzeihn Sie, daß ich die Ruhe Ihres Herzens anzugreifen wagte. — Ach, ich bin zu entschuldigen, sehr zu entschuldigen; Sie sollten meine Schicksale, und den wunderbaren Gang derselben kennen, und Sie würden mir Ihr Mitleid nicht verweigern.“
„Nur Mitleid?“ rief lachend Imada: „ich verweigre Ihnen ja meine Liebe nicht.“
„Leben Sie wohl!“ rief Duur, als sie ganz in der Nähe des Lusthauses sich befanden: „Leben Sie wohl, Imada!“
Imada wollte ihn festhalten; er aber drückte einen Kuß auf ihre Wangen und entfloh.
Jezt war ihm durch das traumhafte Abentheuer alle Lust, alle Freude dieses Tages wieder vergällt. Mismüthig schlich er vor sich hin, um Menschen zu finden, in deren Gesellschaft er zur Stadt kommen konnte.
Er erreichte den flammenden Scheiterhaufen, um welchen Tausende versammelt standen, und in ernster feierlicher Stille, bei den dumpfen Tönen einer schönen Klagemusik, dem Spiel der Flammen zusahn.
Die Scene, so grell sie auch neben den heitern Bildern des vergangnen Tages abstach, war izt seinem Herzen willkommen. Seine Seele schwelgte in den traurigen Accorden der Musik. Er fand Beruhigung und Zerstreuung, ohne sie zu suchen.
Je länger er über Imada’s Betragen nachsann, je verwickelter erschien ihm der Charakter dieses Mädchens. Imada lächelte, wo sie weinen sollte, und ihre Klagen, ihre Vorwürfe, welche sie ihm hören ließ, waren immer in einem Ton gesprochen, als triebe sie Scherz. — Unwillkührlich verband sich mit diesen Gedanken die Erinnerung an den Abschied auf Gobbys Landhause, wo ebenfalls das räthselhafte Lachen, die Stelle der Thränen ersetzen mußte.
Beinah hätt’ er an die Verwandlung der menschlichen Natur und ihre Freuden- und Schmerzäusserungen glauben mögen, um sich das Widersprechende in den sonderbaren Erfahrungen aufzulösen.
Eben so viel Widersprechendes fand er auch in diesem Augenblick bei dem gegenwärtigen Auftritt am Scheiterhaufen. Er sah in seiner Nachbarschaft betrübte Gesichter, und wer bringt diese wohl zu einem Scheiterhaufen. Er hörte Trauermusik, welche man sonst nur geliebten Verstorbnen, aber keinen bestraften Missethätern brachte.