„Ich find’ es nicht.“
„Bei mir zu Lande pflegt man Missethäter nur auf den Scheiterhaufen zu legen und sie in Asche zu verwandeln, um — — —“
„Wo sind Sie denn zu Hause?“
Florentin gerieth in Verlegenheit und blieb die Antwort schuldig, indem er sich davonschlich.
Ein glückliches Ohngefähr leitete ihn zu seinem Freunde Josselin, welcher mitten unter den Zuschauern stand. Dieser gab ihm nun mit willigem Herzen über alles eine befriedigende Aufklärung.
„Zu Deiner Zeit,“ sagte er: „warf man nur die Leichname der gröbern Verbrecher auf den Scheiterhaufen — izt behält man diese Art der Auflösung nur den Leichnamen reicher und würdiger Personen auf. Das Verbrennen der Körper ist ein besondrer Zweig des tragischen Luxus. So verändern Schand’ und Ehre ihre willkührlichen Trachten und Beziehungen!“ —
„Ich erstaune.“
„Warum? ich gestehe, mir selbst gefällt dieser Luxus, der, wie immer, seine besondern Abstufungen hat. Das Verbrennen auf dem Scheiterhaufen ist kostbar, und darum selten, unsre Verfahren haben, ihrem Egoismus zufolge, uns Nachkommen herzlich schlecht mir Holz bedacht. Sie haben ganze Wälder zerstört und in Aecker verwandelt, das Holz üppig vergeudet und selten an Ersatz gedacht. Deswegen ist der Gebrauch des Brennholzes, besonders zu den Werken des Luxus, nach den Landesgesetzen, sehr kostspielig. — Auf eine wohlfeilere und gewöhnlichere Weise werden daher die Leichname durch einen chemischen Proceß in Staub verwandelt; nur die Armen werden noch unter die Erde begraben, so auch Missethäter und Menschen, welche ihrer Familie nicht theuer genug gewesen sind, um ihre Asche aufzubewahren.“
„Das ist nun freilich einerlei, wie wie verwesen, ob im Grabe, oder in der Flamme.“
„Nein, Freund, den hinterlassnen Freunden ist es nicht so ganz gleichgültig. Ich muß bekennen, daß der heiligste Schatz für mich zwei Urnen sind, welche den Staub meines Vaters und meiner Mutter umfassen. Ich finde ein Glück darin, von diesen beiden Theuern noch die köstlichen Ueberbleibsel zu besitzen, und zu wissen, daß ihre faulenden Cadaver nach dem Tode nichts zur Verpestung der Luft beigetragen haben.“