„Wie? die Asche der Verstorbenen wird aufbewahrt?“

„Das wird sie; und ich wette hundert gegen eins, daß das Verbrennen der Leichname in der physischen und moralischen Welt ungleich mehr Vortheile bringt, als das Vergraben der Todten.“ —

„Ich kanns zwar dunkel beahnden — aber, Du thätest wohl daran, mir diese Vortheile einleuchtender zu machen. Denn unter uns gesagt, es schaudert mich, wenn ich daran denke, daß mein Leichnam — —“

„Schaudert? pfui! was ist schauderlicher und ekelhafter, durch die Flamme in reine Theile aufgelöst zu werden und als Staub in Urnen verwahrt zu ruhn — oder, mit Fleisch und Blut unter der Erde zu faulen, von schwelgenden Würmern durchwühlt zu werden, und nach funfzig Jahren nackte Knochen und hohle Schädel für den Muthwillen der Kinder zu liefern, die auf den Gräbern mit den Gebeinen ihrer gottseligen Ahnen zu spielen gekommen sind? — Antworte!“

„Freilich, es ist zulezt wohl einerlei, ob — — —“

Nicht einerlei! um Gotteswillen nicht. — Nutzen, Nutzen! Dies ist die ewiggeltende Foderung aller Lebendigen; auch die Todten müssen mehr noch nützen, als mit ihrem Fette einen unbesäeten Strich Landes düngen. — Keiner, der verbrannt oder chemisch aufgelöst seyn will, hat zu fürchten, im Grabe lebendig, von einem Scheintode wieder zu erwachen — schreckliche Fälle, die man in der Vorwelt zu oft erlebt hat. Nach den Landesgesetzen darf kein Leichnam, ohne Erlaubniß und vorherige Besichtigungen vom Land- oder Stadtphysikus zur Auflösung abgeliefert werden. Ist er einmal aufgelöst worden: so darf niemand das Wiedererwachen auch nur als eine bloße Möglichkeit fürchten.“

„Es läßt sich hören.“

„Da ich einmal die Apologie meines Zeitalters übernommen habe, so höre mich geduldig weiter an. Ehmals, in den Tagen des Aberglaubens und der Bigotterie, ließ man die Todten in der Stadt, in den Kirchen und bei den Kirchen, närrischer Hoffnungen, lächerlicher Meinungen willen beerdigen. Späterhin, als mit der fortschreitenden Kultur sich auch die Nasen zu verfeinern schienen, quartirte man die Todten ausser der Stadt, wo mans der Laune des Windes überließ, die pestilenzialischen Ausdünstungen der Aeser nach Süden oder Norden zu führen. Jezt, da die Sitte der chemischen Auflösung so allgemein geworden, und wirklich wohlfeiler ist, als das ehmalige Beerdigen mit unnützem Sang und Klang, izt, sag ich, da der gemeinste Mann seinen Erben so viel Scheidemünze hinterläßt, um ihn dafür veraschen zu lassen, izt hat man von der giftigen Athmosphäre der Leichname nichts zu befürchten. Noch mehr — — —“

„Vergiß Dich nicht; Du erwähntest auch gewisser moralischen Vortheile. Ich bin sehr neugierig, sie zu kennen; denn ich fürchte grade, vom Verbrennen zum Beispiel, das Gegentheil.“

„Unmoralische Erfolge?“