„Es gab eine Zeit, da der Stand der Prediger in denjenigen Provinzen, welche sich der Aufklärung rühmten, immer tiefer und tiefer in der öffentlichen Achtung sank. Wer für einen Wizling gelten wollte, mußte gewisse Waidsprüche und Anekdoten über Pfaffen auftischen können.“ —
„Wie?“ rief Josselin erstaunt: „in Euerm Zeitalter, da die römischen Fürsten sich noch Christi Statthalter nannten und als geistliche Regenten angesehn seyn wollten, in Euerm Zeitalter, da — — —“
„Halt! Du sprachst von Römerfürsten — meinst Du — —“
„Die sonst Päbste hiessen.“
„Ist es möglich?“
„Was ich Dir sage. Die Römer haben ihre Oberherrn aus eben dem Grunde secularisirt, aus welchem das Volk Gottes weiland die Theokratie in eine Monarchie verwandelte. Das Licht der Wahrheit brannte längst auch in den Klosterzellen Italiens, wenn gleich versteckt; eine starke politische Erschüttrung brachte dies Licht zur öffentlichen Erscheinung. Vor ohngefähr neunzig Jahren war das falsche Verhältniß des Reichthunis bis aufs äusserste getrieben; der Bürger war ärmer, als weiland ein Leibeigner, Adel und Geistlichkeit besaßen alles. Hier durfte nun kein neuer Cola di Rienzo wider die Colonna’s auferstehn — es erstand das ganze Volk und die Revolution war begonnen und vollendet. Eine Folge der Begebenheit, welche den witzigen Köpfen vielen Spas machte, war die Secularisirung der Pabstheit.“
„Das ist mehr, als ich erwartete.“
„Ich hoffte, Du würdest sagen: weniger.“
„Und die christliche Religion?“
„Dauert ewig fort. Freilich giebt es noch immer Partheien und Sekten ohne Zahl, denn dies liegt einmal in der Natur des Menschen und seiner Religion, aber man kennt keine Ketzer mehr.“