„Herrlich!“

„Die herrschende oder die zahlreichste Kirchparthei ist anizt die, welche sich ohne Zusatz die christliche nennt. Wir haben übrigens noch Lutheraner, Calvinisten, Katholiken und andre kleine Sekten, welche aber sämmtlich im Aussterben begriffen sind.“

„Führe mich in eine christliche Kirche.“

Sie gingen. — Es war Sonntag, und öffentliche Versammlung zum Gottesdienste.

Voll stiller Neugier trat Duur in den Tempel der Christen, welche weder Lutheraner noch Calvinisten, weder Catholiken noch Socinianer, weder Orthodoxe noch Dissenters seyn wollten, welche, wie Josselin sagte, sich von allen übrigen Sekten schelten und verdammen liessen, ohne wieder zu schelten und zu verdammen.

Ihr Tempel war einfach, ungeziert, rein, ohne Spielwerk für Aug’ und Phantasie, ohne dämmernde Tiefen und gothische Winkel — ein Symbol ihres Glaubens.

Ein kurzer, rührender Gesang ging der Predigt voran; die Predigt selbst beschäftigte sich mit der Entwickelung einer Christenpflicht, und deutete besonderes auf die verschiednen Abwege, welche sich die Menschen bei Erfüllung dieser Pflicht so gern zu erlauben pflegen. —

Man sah, man hörte, daß der Prediger vor einem Auditorium des drei und zwanzigsten Jahrhunderte stand. Eine scharfsinnige Absonderung und Verbindung der Vorstellungen und Theile der Rede; ein schönes Gewand von Seiten der Einbildungskraft über das Ganze; studirtes Mienenspiel, schwesterliche Harmonie unter Tönen und Geberden — alles verrieth die hohe Stufe der Polizirung, von welcher den Bürgern der Vorwelt kaum eine Möglichkeit im Traume anschwebte.

„Hier wirst Du nicht viel Neues erblickt haben; unser Gottesdienst ist ohne Aufwand, ohne Ceremoniel, einfach und belehrend!“ sagte Josselin.

„Eben dies ist das Neue.“