„Es schlafen nicht alle, welche die Augen verschliessen!“ rief lachend der alte Gabonne: „Glauben Sie nicht, daß ich in meinem eignen Hause ein sorgloser Commendant sey. Ihre Flucht war mit verrathen, als Sie den ersten Schritt zur selbigen gethan hatten — morgen soll Kriegsrecht über Sie gehalten werden. Jezt sind Sie unser Gefangner.“
Florentin, immer verlegner, mißmühiger, doch zu discret, um den gutmüthigen Scherz zu verderben durch seinen Ernst, stotterte nur Entschuldigungen.
„Seyn Sie ruhig, lieber Deserteur!“ sagte der Graf: „Ich muß Ihnen offenherzig bekennen, daß Sie mir durch ihre Desertion noch liebenswürdiger geworden sind, und dies wird Ihre Strafe morgen sehr lindern. — Verlassen Sie sich darauf. Inzwischen, damit Sie mir nicht den Versuch zur Flucht in dieser Nacht wiederholen, so sollen Sie eine Wache von eitel Frauenzimmern empfangen. — Rechts und links neben Ihrem Zimmer liegen die Schlafzimmer von unsern Damen. Wollen Sie also entfliehn, so müssen Sie erst vor den Betten Ihrer Wächterinnen vorüber. Und wehe Ihnen dann!“
Man brachte ihn wie im Triumpf zurück ins Schloß. Holder sah seinem niedergeschlagnen Freund lächelnd ins Gesicht, sprach zwar kein Wort, aber blinkte ihm mit den Augen Muth zu.
Die Greise übergaben den versammelten Damen, zu welchen sich auch mehrere Fremde gesellt hatten, den Gefangnen feierlich in Verwahrung. — Diese führten ihn nun, als Siegerinnen, die Treppen hinauf, in sein schönes Gefängniß, vor welchem sie selber die Wacht halten sollten.
Jede empfahl sich ihm mit einem Kuß der Versöhnung — Imada war die lezte.
„Ich habe sie nicht verdient, diese Liebe diese peinigende Freundlichkeit!“ rief er: „ich kann sie auch nicht erwiedern. — O Imada, wie wäre der Schluß im Roman meines Lebens so schön gewesen, wenn Ihre Liebe mich schadlos gehalten hätte für die unzähligen Leiden, die ich trug.“
„Lieb ich Dich nicht, Flüchtling?“ flüsterte sie, und es schauerte ihm warm durch sein ganzes Wesen bei dem vertraulichen Du.
„Aber morgen?“
„Morgen?“