„Verlier ich dies Herz, diese Hand und das vertrauliche Du. Doch ich wills erwarten. Sehn will ich den Mann wenigstens, welchen Imada zum irrdischen Gott macht.“

„Hättest ihn beinah nicht gesehn. Er ist zwar schon gekommen — — —“

„Schon hier?“

„Freilich. Allein, da er ankam, ließ er sogleich wieder umwenden, als er von Deiner Anwesenheit hörte. Er ist wirklich eifersüchtig; ich hätt’ es, seinem Alter nach, nicht von ihm geglaubt. Mühsam gelang es mir, ihn fest zu halten.“

„Ach hättest Du — — —“

„Ihn laufen lassen. Nicht so? Nein, Wort muß man halten. Sieh, ich will mich theilen. Meine Person gehört ihm ein für allemal an; Dir aber meine Liebe, mein Herz?“

„Wolltest Du das? Könntest Du das? Nein, Imada, ich wills, ich kanns nicht. Gieb Dich ihm ganz hin. Erinnre Dich, was Du sprachest, als wir unverhofft uns im Garten bei der Todtenfeier fanden vor einigen Wochen.“

„O Florentin, wir Weiber schwatzen manches, von dem unser Herz keine Sylbe soufflirt hat. Worte sind nicht immer der Wiederschall unsrer Empfindungen und Wünsche. — Dabei bleibts. Morgen siehst Du meinen künftigen Gemahl, und er soll seinen beglückten Nebenbuhler sehn. Ich hoffe, Ihr werdet Beide in freundlicher Eintracht mit einander leben. Damit er aber nicht Ursach hat, vor der Zeit eifersüchtig zu werden ohne Noth, so sag ich izt: Florentin, gute Nacht! Denn wenn er erführe, daß seine Braut um Mitternacht mit Dir allein in einem Zimmer kosete: so möchte ihm dies doch nicht die besten Gedanken erregen.“

Bei diesen Worten schmiegte sie sich freundlich an ihn. Florentin nahm Abschied in einem langen süßen Kuße — Imada entwischte, und mit unruhigem Herzen schlummerte, träumte und wachte alles dem kommenden Morgen entgegen.

Viertes Kapitel.
Der Bräutigam erscheint.