Die Natur feierte einen Festtag; duftiger, erquickender strahlte das mannigfache Grün herab von Bäumen, Gebüschen und Hügeln; schöner sangen die kleinen Sänger in den düstern Hecken und unter des Frühhimmels azurnem Gewölbe; majestätischer erschien der Sonne Aufgang am flammenden Horizont, in jeder Sekunde mit verwandeltem Farbenspiele an dem schwebenden Gewölk. —
Florentin verließ das Bett; er eilte dem Fenster zu, um sich zu laben an dem erquickenden Anblick der aufwachenden Landschaft. Der emporsteigende Duft von Blumen und Kräutern, die im Morgenschimmer verklärten Gestatten einer anmutigen Gegend, alles machte einen wundersamen, wohlthätigen Eindruck auf sein Herz.
Er fühlte sein ganzes Wesen leichter, ruhiger sein Herz und abgeschieden von aller Leidenschaft. Er sah die Bilder der gestrigen Nacht, des gestrigen Tages, der ganzen stürmischen Vergangenheit, wie einen zurückgelegten Traum in nebelhafter Ferne noch schweben vor seinem Geist.
Ihm wars so wohl in dieser Verwandlung; sein lebendigster Wunsch wars izt, daß diese liebliche Wiedergeburt nicht das vergängliche Spiel einer angenehmen Morgenlaune seyn möchte. — Er war so zufrieden mit sich, er hätte — beten mögen.
Was hätt’ er darum geben mögen, wenn er diese feierliche Stille in seiner Natur mehr einem philosophischen Siege seines Geistes über die rebellische Sinnlichkeit, als der einstweiligen Disposition seines Körpers zu danken gehabt hätte!
Bald darauf wards neben ihm in den Zimmern lebendiger. Er hörte das Flüstern und verstohlne Gelächter der Damen. Es dauerte nicht lange, so öffneten sich von beiden Seiten die Thüren.
Umringt von blühenden Jungfrauen erschien Imada, in einem einfachen Morgenkleide, einen lebendigen Blumenkranz durch das freischwebende Haar geschlungen.
Sie war nicht mehr Imada, sie war eine Göttin in allen ihren Bewegungen. Mit Seligkeit und Liebe umkleidet schienen die übrigen Mädchen und Weiber nur Reize von ihrer Nähe zu erborgen — eine Sonne unter leuchtenden Gestirnen, wandelte sie.
Florentin bebte ihr näher. Der süßeste Morgengruß ward gegeben und genommen. Florentin war entzückt, aber er ahndte es, wie bald dies Entzücken Verzweiflung werden würde.
„Im Namen meines Oheims und der übrigen lieben Gesellschaft befehle ich Ihnen, als meinem Gefangnen, mir zu folgen, um für Ihre gestrige Flucht Red’ und Antwort zu geben, und Urthel und Recht zu empfahen, als es billig ist!“ sagte Imada lächelnd.