Holder lehnte sich ihm gegenüber an die Wand, und betrachtete das seltsame Mienenspiel seines Freundes mit Verwunderung.
Alles schwieg. Holder wollte doch ein Gespräch anknüpfen, und fragte, um etwas zu fragen, den Fremden: „was giebts neues in der Welt?“
„Neues?“ entgegnete der Gast: „Das Neuste wäre nun wohl, daß der deutsche Kaiser in der vorgen Woche zu Berlin gestorben ist.“
„Wie? sind Preußen und Oesterreich so gute Freunde und Nachbarn?“
„Ich verstehe Sie nicht?“
„Ihr sagtet, der Kaiser sey in Berlin gestorben.“
„Freilich — in der Residenz.“
„In der Residenz? residiren die Kaiser in der preußischen Residenz?“ fragte Holder und sah den Gast mit verdächtigem Lächeln an.
„Nun ja, wo denn anders? Ach, Sie scherzen — ja, ja, ich besinne mich. Vor dreihundert Jahren sollen sie noch in Wien gewohnt haben. Ich weiß das noch von der Schule her, wenn wir das dürre Namenregister der deutschen Kaiser auswendig lernen mußten.“
Holdern schoß bei diesen Worten das Blut ins Gesicht — er erinnerte sich der Alpen, und das, woran er unterweilen selbst noch zu zweifeln gewohnt war, bestätigte sich ihm immer mehr und auf neue Art zur sonderbaren Gewißheit.