Holder war von seiner Seite ebenfalls nicht müssig, sich den traurigen Winter zu verschönern. Er nannte Idalla Weib, Idalla war glücklich durch ihn und ahndete Mutterfreuden.

Jeder, vom ersten bis zum lezten in dieser kleinen Republik, sann, wünschte, empfand nicht für sich, sondern nur für die andern. Jeder Tag war ein kleines Fest. Man liebte und wurde geliebt. Man war erfinderisch in neuen überraschenden Freuden für die übrigen, und sah den schönsten Theil der Lust auf sich selbst wieder zurück strömen.

Und versammelte sich Abends die liebenswürdige Familie um das lodernde Feuer des Camins; schien die Unterhaltung stocken zu wollen, und die Fröhlichkeit zu schweigen: so rief Holder zur Aufmerksamkeit, und erzählte die seltsam verwickelten Begebenheiten seines frühern Lebens, die ihn zu dem herrlichen Manne machten, der er war.

Dann schmiegte sich schauderndfroh Idalla an den Arm ihres Gattens; dann drückte Duur sein schlummerndes Kind fester an seine Brust und Matthias der Luftgondler starrte mit Verwundrung und Entsetzen den Mann an, welcher als Jüngling Thaten vollendete, woneben seine Bataille in den Wolken wie Kinderspielerei aussah.

Es thut mir viel zu leid, hier den Faden der Geschichte abzureissen und die Begebenheiten des wilden, großen Holders in einer Episode dürr zu skizziren — sie verdienen wohl, eigen behandelt zu werden.

Vielleicht erzähl ich sie meinen Lesern zu einer andern Zeit — vielleicht bald!

Zweiter Abschnitt.

Erstes Kapitel.
Auswanderung in die neue Welt.

So verlor sich der Winter unter Lust und Arbeit. Die Flocken des leuchtenden Schnees zerschmolzen am milden Hauch des Aprils, und die erwachenden Gesträuch’ und Bäume trieben Knospen an Knospen und Blüten an Blüten. Der Grund der Wiesen und Anhöhn und Thäler vertauschte das falbe, veraltete Kleid mit einem duftigen Grün, und die Lerchen schwangen sich mit süßem Wirbelton dem mildern Himmel entgegen.

„Das war ein Jahr!“ rief Holder an einem schönen Maitage: „Ein schönes, einförmiges Jahr, ohne Sturm und Drang, und doch so üppig reich an stiller Lust! — Gewährt der Himmel mir eines Wunsches Erfüllung: so sey der Rest meines Lebens dieser kleinen Vergangenheit gleich.“