Commendant. Aber so mußt’ es kommen, wenn die Deutschen ihre Thorheit endlich einsehn sollten. Man konnte sich zulezt vor allen Edelleuten nicht mehr retten. Man hatte nicht mehr Aemter genug für sie. Die Aermern bequemten sich zu äusserst bürgerlichen Handthierungen; verdienstvolle Bürger betraten, ohne Adel, die erhabensten Ehrenstufen im Militair- und Civilwesen, und da man endlich bemerkte, wie sich das Land dabei sehr wohl befand, so — — —
Duur. Und das ging ohne Gährungen und Revolten ab?
Commendant. Ohne Geräusch. Freilich, die Edelleute schrien wohl dagegen und prophezeihten, daß mit ihrem Untergang alle Monarchien einstürzen würden, aber dies war eben so lächerlich, als da die Mönche in den uralten katholischen Zeiten, bei Schmälerung ihrer Rechte, schrien: die Welt würde untergehn und der Antichrist sich von seinen Ketten losrütteln und die Erde verwüsten.
Duur. Sonderdar!
Commendant. Nein, sagen Sie lieber, sehr natürlich. Dännemark machte endlich den Anfang zur Reformation des Adels. Der Erbadel ward durchgängig aufgehoben, und statt dessen der Verdienstadel eingeführt. — Das deutsche Reich, um allen Verwirrungen abzuhelfen, bequemte sich endlich auch zu dieser Reforme.
Duur. Also giebts noch einen Adel?
Commendant. Freilich. Machen Sie sich um das Vaterland durch eine große That, durch Lebensrettung des Monarchen, durch Erhebung und sichtbare Vermehrung der Wissenschaft und Kunst, durch wohlthätige, große Erfindungen, die der Menschheit willkommen sind, um den Staat, um die Menschheit verdient: so werden Sie in die Reihe der Edeln des Volks versezt; ganz Deutschland wird Sie schätzen, und im Ein- und Auslande erhalten Sie Freundschaft und Ehrenbezeugungen, als wären Sie der Sohn eines Fürsten.
Duur. (mit Rührung) Ich erstaune.
Commendant. Der Adel ist daher selten, und jeder strebt nach ihm — aber Kinder erben ihn nicht vom Vater, so wenig, als sein Verdienst, wodurch er ihn gewann. Sollte auch nun ja einmal bei Ertheilung des Adels menschlich verfahren werden, so hat dies doch für die Nachwelt keinen Schaden. Es giebt izt unadliche Feldherrn und adliche Künstler. Zudem würde man den, der seinen Adel erschlichen hätte, leicht und auffallend bemerken, da erwiesen werden müßte, daß er allgemein bekannte, öffentliche Verdienste errungen habe; auf geheime Verdienste bei den Königen wird nicht reflektirt.
Duur. Wer erhebt denn aber in den Adelstand?