„Die Sekte lehrt an sich wenig neues; einzelne Sätze sind längst schon behauptet worden — nur daß hier alles in einer so fürchterlichen Verbindung zusammengedrängt ist. Es ist eine Philosophie, die zur Verzweiflung führt.“
„Das ist sie, sagen die Salomonisten, so lange man noch nicht von der Ammenmilch der bisherigen Phantasiephilosophie entwöhnt ist.“
„Aber man fühlt sich glücklicher bei dieser Ammenmilch.“
„Dies gestehn die Philosophen selber ein, und erklären auch dies für einen der vielen unauflöslichen Widersprüche in unsrer Natur, daß wir den drängenden Trieb in uns fühlen, so weit, als möglich, vorwärts zu eilen, und dann doch dreimal elender, als vorher, werden.“
Eilftes Kapitel.
Josselin.
Ein muthwilliger Schwarm junger Damen umringte mit lautem Gelächter die heimliche Laube und führte den sanften Gobby und Duur gefangen, wie im Triumphe zum Schlosse zurück, wo die übrigen versammelten Männer dasselbe Schicksal erfahren hatten.
Auch Josselin war unter den Gefangnen. Er schien nur für die frohsten Scherze in der Welt zu seyn; er war die Seele der Gesellschaft; alle Weiber horchten auf ihn und die Männer bewunderten lächelnd seine Gewandtheit, sich als Gefangner mitten unter den Weibern aus der Sklaverei zur Souverainetät über dieselben zu heben.
Der Abend nahte sich mit lieblicher Kühlung; man floh die Zimmer, um sich im Freien unterm blauen Himmel zu belustigen; Gesellschaftliche Spiele von allerlei Art wurden angegeben und ausgeführt — keine Kinderspiele des achtzehnten Jahrhunderts!
Duur hatte anfangs im Sinn, auch ein Spielchen aus seinem Zeitalter vorzuschlagen — etwa ein unterhaltendes Pfandspiel, wo zulezt Küsse, gegeben und geraubt, die Würze der Unterhaltung seyn mußten. Aber beschämt zog er sich zurück, als er wahrnahm, wie auch in gesellschaftlichen Vergnügungen der gebildete Geist dieses Jahrhunderts webte.
Man entlehnte Süjets aus der Geschichte der Vorwelt, und gab sie aus dem Stegreif in dramatischen Darstellungen wieder, oder drückte in Pantomimen und charakteristischen Tänzen eine liebliche Reihe von Empfindungen aus. Ermüdet von der schönen Arbeit ruhten dann die Spieler, und das Chor der Zuschauer bezahlte das genossne Vergnügen mit Absingung einiger Hymnen auf die großen Männer des Alterthums. Barmherzigkeit und Liebe, Großmuth, heldenmüthige Selbstaufopferung, und andre bewundernswürdige Tugenden waren der Gesänge Inhalt. Dann wurden extemporirte Melodramen aufgetischt — Rosalia entwickelte die Empfindungen der Charlotte Corday unter dem reifenden Entschluß, Marats Ermordung zu wagen für das Vaterland. Rosalia’s Deklamation war Gesang; in den Pausen phantasirte Josselin auf einer Art von Harfe durch Moll und Dur in reizenden Tönen den Empfindungen Rosaliens nach.