Gesang und Freude stimmten alle Seelen zu einem zärtlichen Verein. Josselin ergriff einen vollen Becher Weins, mit lebendigen Rosen umkränzt, eilte Florentinen entgegen und rief: „Freundschaft! Freundschaft!“ Er trank den Becher zur Hälfte leer. Begierig nahm Duur ihn von Josselins Hand und trank und rief mit einem unnennbaren Entzücken: „Freundschaft! Freundschaft!“
Beide sanken einander in die Arme. Duur fühlte eine Thräne in seinem Auge zittern und Josselin küsste ihn. „O laß uns einen Gott glauben! es ist so schön!“ schrie Josselin in einer begeistrungsvollen Ekstase.
„Laß uns einen Gott glauben!“ rief der liebenswürdige Gobby, indem er sich, einen Becher Weins in der emporgehobnen Hand, den beiden Freunden näherte und sie beide küßte.
„O!“ entgegnete Josselin schluchzend: „könnt’ ich mich ewig so vertiefen in den schönen Rausch der Sinnlichkeit — könnt’ ich einen Schleier ziehn vor den unseligen Offenbarungen der vorwitzigen Vernunft — könnt’ ich werden wieder ein Kind und arglos spielen im Schoos meiner Mutter Natur!“
Die Gesellschaft sah, schweigend um diese Gruppe versammelt, dem Spiele dieses Auftrittes zu, und, wie von einem Geist ergriffen, von einem Gefühl gerührt, ertönte plötzlich von allen Lippen der Gesang eines uralten deutschen Volksliedes: „Freude schöner Götterfunken!“
Eine liebliche Schwärmerei verbreitete sich über die Versammelten. — „Den heiligen Manen des alten Dichters dieses Glas!“ rief Gobby: „ihm, der nach Jahrhunderten noch erfreut und tröstet!“
„Schiller!“ rief Duur. Alles rief ihm den Namen nach — eine große Thräne stürzte aus Florentins Augen.
Zwölftes Kapitel
Brüderschaft.
Duur bemerkte am folgenden Tage eine sonderbare Veränderung in Gobbys und Josselins Mienen. Es schien, als drücke irgend ein schönes Geheimniß ihr Herz; auch der brave Commendant, stimmte in den wunderlichen Ton jener Beiden ein.
Demungeachtet war diese Verwandlung so auffallend nicht, daß Duur mit guter Art nach den Ursachen derselben kundschaften konnte. Er wars zufrieden, daß man ihn nicht nur nicht kälter oder fremder, sondern weit liebkosender behandelte, denn sonst. Gobby trat zuweilen schweigend vor ihm hin, starrte ihn mit einem Blick voller Liebe und Bewunderung an und schloß ihn in seine Arme. — Josselin drückte ihm öfter die Hand, und küßte ihn öfter. Silberot lächelte, so oft er ihn erblickte.