Elysium!“ rief der Knabe und tauchte sich in das wogende Gras unter. Er verstand das fremde Wort nicht, aber den Ton der Wonne darin.

Zweites Kapitel.
Idalla’s Hütte.

Wer hätte es glauben sollen, daß der Herr von Sorbenburg jemals in Gesellschaft seines Schwagers so nackt, als sie beide vor fünfhundert Jahren den Händen der Mutter Natur entsprungen waren, am Alpengebürge umherstreifen würden? Ein seltsamer Kontrast! Die ehmaligen feinen gewandten Hofmänner zogen in ziemlich patriarchalischem Kostum umher, und suchten Menschen; lagen bald an einer Quelle, sich zu baden, oder ihren Durst zu löschen, bald unter einem Baum, um vor der Sonnenglut geschirmt, von ihren Wanderungen auszuruhn, oder die aufgefundnen Wurzeln zu verzehren; Inzwischen hatten sie Zeit genug, sich nach und nach des entstellenden Bartes und der Greifenklauen zu entledigen, und wahrzunehmen, daß ihre Gesichtszüge so wenig, als ihr ganzer Körper veraltet sei.

Ihre erste Sorge war Menschen zu entdecken. Es war ihnen nicht unbekannt, daß am Fuße eines hohen Felsen, der Kubbi hieß, ein Dörfchen gleichen Namens gelegen war. Den Felsen fanden sie, aber das Dorf war verschwunden. Neben einer kleinen Anhöhe entdeckten sie verwittertes hinter Dornenhecken und Wacholdergesträuchen verborgnes Mauerwerk. Trostlos sezten sich die beiden Abentheurer auf den Ruinen nieder, inzwischen der kleine Karl umherjagte, einen Schmetterling zu fangen. Wie von einem guten Geist geführt, entdeckte dieser von ohngefähr ein Bündel Matten, aus Bast zusammengeflochten. Er schleppte es herbei; man trennte es und theilte sich lachend in den Fund, der jezt die Stelle der seidnen Kleider ersetzen mußte.

„Wahrhaftig,“ sagte Duur: „die neue Welt ist gegen uns sehr geizig; inzwischen bin ich doch froh, Spuren von Menschenhänden zu erblicken; denn beinah glaubt ich, der ganze Erdball sei während unseres Schlafs entvölkert und wir wankten noch allein auf dem ausgestorbnen Stern herum. Geduld, nun können wir uns doch keuschen Augen präsentiren!“

Sie gingen zu der Stätte zurück, wo Karl das Bündelchen gefunden hatte, vielleicht in der Hoffnung noch mehr zu finden. Wirklich überraschte sie eine angenehme Erscheinung; nämlich ein halb verwischter Fußsteig schlich über einer Wiese dem benachbarten Gehölz entgegen. Man beschloß ihn zu verfolgen. Der Wald umfing sie mit seiner Kühlung und der Weg verlor sich. Die Wandrer liessen sich nicht irren; sie trabten mit Muth und Glauben weiter und fanden sich endlich am andern Tage an einem anmuthigen See, der mitten im Walde sich ausdehnte und viele kleine Inseln bildete. —

Die größte von diesen Inseln zeigte ihnen ein hinter krausen Gebüschen hervorragendes Hüttendach — eine Entdeckung, welche sie alle vor Freude wirbeln machte.

So jauchzten, so sprangen nicht die Entdecker Amerikas auf Colombs Schiffe durch einander, da nach der langen fürchterlichen Seefahrt vom Mastbaume heruntergeschrien wurde: Land! Land! als hier unsre Abentheurer jauchzten und tanzten.

„Eine Hütte! eine Hütte! — Glück zu! — wir haben überwunden!“ so schrieen sie durch einander und fielen sich um den Hals, küßten sich und hüpften her und hin, und bemerkten nicht, daß ein allerliebstes, junges, weibliches Geschöpf ihren Sprüngen mit Wohlgefallen zusah.

Holder gewahrte der schönsten unter allen schönen Erscheinungen in der neuen Welt zuerst.