„Bruder!“ rief er und zeigte auf das Mädchen, welches wie eine Nympfe dieses Hains, in idealischer Pracht des alten Roms, mit freien lockigten Haar vor ihnen stand, zur Hälfte hinter einem wilden blühenden Rosenbusch versteckt.
„Elysium!“ rief Florentin, und näherte sich mit bittender Geberde dem Mädchen des drei und zwanzigsten Jahrhunderts.
Ach, und das Mädchen verstand ihn nicht. Sie sprach, und was sie sprach, war gewiß der Mühe werth, es zu hören, aber keiner verstand sie.
Eine neue und keine geringe Verlegenheit! Die Pilger machten Blicke, Mienen und Hände zur Zunge, und es gelang. Tiefen Mitleides voll trat die junge Schöne näher, beantlizte sie schweigend, küßte den Knaben, und führte die Fremdlinge durch einige Gebüsche an das Ufer des Sees, wo in einer Bucht ein Kähnchen angebunden lag. —
Sie stiegen ein. Die niedliche Schifferin stieß vom Ufer ab. Hin tanzte der Kahn freiwillig über die silbernen Spitzen der krausen Wellen und nach einigen Minuten nahm sie alle das wildbewachsne Ufer der kleinen Insel auf.
Ausser einem Pudel und einem schwarzen Kater schien die Insel und die Hütte kein geselliges Wesen zu umfassen. Aber doch brachte die gefällige Wirthin ihren entzückten Gästen männliche Kleider. — Florentin und sein Gefährte benuzten die Güte der wohlthätigen Insulanerin, und vertauschten ihre patriarchalische Tracht mit Matrosenkleidern.
Daß die Wandrer nicht sobald das liebliche Eiland und die schöne Bewohnerin desselben verliessen, darf ich wohl nicht sagen. Und weil die Sprache der Insulanerin eine entfernte Aehnlichkeit mit der deutschen des achtzehnten Jahrhunderts besaß: so wurd’ es ihnen leicht sie zu lernen, und bald konnten sie ihrer Freundin sagen: „Ich heisse Florentin von Duur!“ — „ich heisse Ludwig Holder!“ — „ich Karlchen!“
„Und ich bin Idalla!“ entgegnete die freundliche Wirthin.
Drittes Kapitel.
Ein halbes Jahr.
Ein halbes Jahr verstrich den Kindern des achtzehnten Jahrhunderts in dieser romantischen Insel, wie ein halber Frühtraum.