Vierzehntes Kapitel.
Traumwunder.

In allem Ernst hätte unser Abentheurer izt böse werden mögen, wenn er nur irgend gewußt, sich damit aus seinen Verwirrungen zu retten. Offenbar trieb, wie er glaubte, Josselin sein Spiel mit ihm; er gedachte izt des sonderbaten, räthselhaften Betragens, welches Gobby und der biedre Silberot am vorigen Tage gegen ihn so unwillkührlich annahmen, und er zweifelte keineswegs daran, daß nicht auch sie ihren gewissen Antheil an diesen Spiegelfechtereien hätten, von welchen sich nur kein Zweck einsehn ließ.

Das Geräusch um ihn her verlor sich. Er tappte durch die Dunkelheit, um ans Fenster zu treten, und sich wenigstens durch den Mond einige Erleuchtung zu verschaffen. Aber sein Erstaunen vermehrte sich, als er die Fenster von dieser Seite verschwunden, und auf der ganz entgegenliegenden Seite des Zimmers erschienen sah. Es ging alles mit ihm im Ringe herum; alles war ihm verdreht.

Plötzlich gossen die Krystallsonnen ihr blendendes Licht wieder herab — er erkannte wieder alles um sich her — aber das war nicht mehr dasselbe Zimmer, worin er sich vor eingen Minuten befand, und doch hatte er kaum ein Paar Schritt von seiner Stelle gethan.

Dies Kabinet war beinah um die Hälfte größer, als das vorige; das vorige war dunkelroth, dieses blaßgelb; Spiegel und Fenster ließen sich in einer ganz andern Gegend sehn — der Diener war verschwunden.

Unmöglich konnte er sich bei dieser Zauberei des Lächelns erwehren. Er drehte sich rings herum und erblickte hinter sich — hinter sich — o, izt hätt’ er zu Boden sinken mögen; es flirrten alle sieben Farben des Regenbogens um seine Augen; sein Odem stockte; seine Knien zitterten; seine ganze Besinnung verlor sich; er sah nichts, als hinter sich — Imada, wie sie leibte und lebte.

„Mein Gott!“ — mehr konnte er nicht stammeln.

Wie eine Ueberirrdische schwebte das Phantom seines Herzens, der Abgott seiner Träume, ihm entgegen, in der emporgehobnen Hand eine Schaale dampfenden Weines tragend.

„Was ist aus mir geworden?“ lallte er in halber Ohnmacht.

„Trinken Sie!“ lispelte der weibliche Engel mit einem unbeschreiblich süßen Ton.