ES war ein prächtiger Abend; frisch duftete das Grün der Gebüsche und Halmen rings umher; die Lerchen wirbelten ihr leztes Lied der halbversunknen Sonne nach, und die Wipfel der Bäume strahlten in feuriger Verklärung des Abendroths.
Imada sas im Garten am Teiche.
Ein wildes Pflaumengebüsch, durchwachsen vom freundlichen Epheu, hatte sich um und über dem schönen Weibe zu einer natürlichen Laube gebildet; zu Füßen plätscherten die kleinen Wellen am Blumenufer, und spielten die Fische sorglos ihr Spiel. — Buchfinken und Meisen sangen von allen Zweigen herab; Schmetterlinge verfolgten sich in weiten tändelnden Ringen umher, und im tiefsten Dunkel eines alten Nußbaums girrte ein Turteltaubenpaar.
Imada sas in sich selbst geschmiegt, tief in Betrachtungen verloren da, die weissen Arme nachlässig auf den blumigten Rasen hingeworfen, die Augen unverwandt auf die schimmernden Furchen des Wassers.
Florentin sah sie — kaum hundert Schritt stand er entfernt von ihr. Es war ihm vor den Augen, wie ein prächtiges Sommerstück von West. Sein Odem verengte sich; er hätte die schöne Imada, umgeben von allen Schönheiten der ländlichen Natur, hinzeichnen mögen auf ein Blatt zum ewigen Andenken dieser kostbaren Minute.
Er ging einige Schritte vor. Die Sonne verlor sich hinter dem Hügel; Imada schlug die Augen auf.
„Duur!“ rief sie mit einer sanften Stimme, die Löwen und Tyger gebändigt hätte.
Duur stand dicht vor ihr.
„Wo schwärmen Sie umher, Schmetterling?“ fragte Imada und reichte ihm lächelnd die Hand.
„Ich schwärmte nach meiner Lieblingsblume und fand sie nicht.“