Das Mädchen sah ihn lange und schweigend an; sah den Sturm seiner Seele sich wiedermalen in dem düstern Spiel seiner Mienen und Blicke, sah wie er so gern sich verstellen, wie seine Lippe so gern Entschuldigungen seines sonderbaren Betragens hervorbringen wollte, aber nicht einen Laut ertönen ließ. —

„Das ist entsetzlich!“ rief er endlich mit beklemmter Brust, und seine Augen funkelten feucht.

Imada zitterte neben ihm. Unwillkührlich drückte sie seine Hand fester an sich, unwillkührlich stürzte eine Thräne aus ihren schönen Augen über die Wange herab.

„Was soll ichs Ihnen verheelen,“ sagte Florentin nach einer langen Pause mit verhaltner Wehmuth: „was soll ichs Ihnen verheelen, Imada, daß ich — Sie unaussprechlich liebgewonnen habe? warum soll ichs Ihnen nicht gestehn, daß ich mir eine goldne Zukunft durch Ihre Gegenliebe vorschmeichelte? — Ach, ja, Imada, Sie — Sie waren mein lezter Wunsch in dieser Welt, weiter hatt’ ich keinen, dann hätt’ ich ruhig Grab und Tod erwartet. — Morgen reisen Sie ab — morgen will ich auch zurück von der Welt, und mich flüchten in Holders Einsiedelei — — — O, Imada, was haben Sie aus mir gemacht!“

„Lieber Duur — beruhigen Sie sich. Ich hätte geglaubt, Sie wären mehr Mann. Ich habe gehört, Sie sollen schon der Leiden so viel getragen haben, — wie, und Sie sind noch so schwach, so hinfällig?“

„Eben darum. Ich bin ein junger Baum, den alle Stürme, alle Ungewitter zu ihrem schadenfrohen Spiel erwählt haben. Meine Blüte ist verwüstet; ich bin zerrissen, zerschmettert; wie soll ich noch stehn können, unter einem neuen Sturm.“

„Was gäb’ ich darum, Sie zu beruhigen!“

„Sie können nichts geben; Sie haben nichts, mir zu geben — Sie sind fremdes Eigenthum!“

„Würd’ es zu Ihrem Troste beitragen, wenn ich Ihnen gestände, daß ich Ihnen herzlich — herzlich gut sey? — Ihnen hold ward beim ersten Anblick, als ich Sie im Walde traf?“

„Das ist ein matter Abendschein auf zerknickte Saaten, die ein schwarzes Hagelwetter zu Boden schlug. Dies Abendlicht richtet die hingeworfnen Saaten nicht wieder auf, sondern macht höchstens durch seine Erleuchtung das Bild der Verwüstung noch lebhafter. — Nein, Imada, lassen Sie mich! — Es ist so gut! ich bin es schon gewohnt, daß immer meine theuersten Wünsche vernichtet wurden auf eine schreckliche Weise.“