Man schüttelte die Köpfe:
„Nein, was dieser Backfisch schon blasiert ist!“
„Und wie unerträglich affektiert,“ ergänzten die Damen. „Schauen Sie sich nur diese Bewegungen an.“
Und man schnitt mit triumphierendem Daumen längliche Biskuits von idealer Schlichtheit in die Luft. Optimisten meinten zwar: „vielleicht wächst sich das noch aus.“ Hielten sich mehr an Milch und Silber der siebzehnjährigen Blondheit, denn wiewohl sie abfällig gereizte Erregung auszulösen begann, gab man nichts verloren. Vielleicht ließ sich dieses unbequeme Phänomen, tat man ihm schön, doch noch meuchlings — schmeichlings — zu dem degradieren, was hier gefiel, oder das Unfixierte an ihm war wenigstens noch herunterzuretten ins Rasselose.
Fern wie ein Birkenwipfel sah das Mädchen-Kind über das alles hinweg, dachte nur erstaunt:
„Wozu ernähren sich eigentlich die Leute? Schade um alle die Engel von Kälbern, den herzigen Salat, von den Radieschen ganz zu schweigen. Das ist doch wie es liegt und steht bei weitem erfreulicher als der Zellhaufen: Regierungsrätin Dostal, oder Herr von W., oder Frau Dr. K., in den es sich dann umsetzen muß.“
Eines Tages erschienen ein paar Herren in Hof und Stall. Besichtigten alles, vermaßen alles; in der Mitte ein Ausgemergelter mit Geierschnabel und schöngebogenen, harten Krallen: Pferdegraf und Käufer der Realität. Zimmer, Statuen, Garten kümmerten ihn wenig, schlief und aß ja doch mit den Roßknechten im Heu. Aber ging es aus, im Hof die Viererzüge zu wenden, deren er vierzig hielt? Darum drehte sich alles. Ja, es ging aus. Mama schlich, die Faust an den Mund gepreßt, herum.
„Wenn er nur nicht dahinterkommt, daß der Schwamm im Haus ist.“
Nach Monaten noch konnte sie ganze Nachmittage unter Angst setzen, von Schadenersatzprozessen schwärmen, denn: „Schwamm bräche Kauf.“ Ihre ewigen Klagen über Kosten und Mühsal so großen Haushaltes hatten schließlich den Gatten vermocht, sich von dem geliebten Barockschlößchen Hildebrandts zu trennen. Nun konnte ihre Tyrannei der Schwäche den überragenden Mann und das viel zu herrliche Kind in eine Mietwohnung ducken. Schwammersatz würde sich schon finden lassen.
Sibyl, in verkrampften Nächten, gab sich zum ersten Mal ganz der Onanie des Leidens hin. Kein Eigenheim: also kein Reh, keine Katze, keinen Garten: keinen Fleck Leben mehr! Man grinste: