Wie brennende Schiffe trieben glühende Wortgruppen ihr entgegen und vorbei, abgelöst von irisierenden Wirbeln der Verheißung, rosig und leise dahinrotierend in dem endlosen Strom der Anbetung. Eine schmerzhaft konzentrierte Noblesse der Sprache, auch der Gesinnung wohl. Denn wie hätte es schon zu Beweisen, zu Taten äußerster Treue kommen können, so lang sie ihr Leben ihm nicht anvertraut. Nun schrie es aus ihm „in heiligster Not“:

„Wollten Sie meine Frau werden? Ich gehöre nicht zu jenen, die solches Wort leicht auf der Zunge führen — Sie sind die Erste und Einzige, an die ich je solche Aufforderung gerichtet“ — dann Prinzessin Augenweide ... und nun bot er ihr alles, was ein Mann einer Frau nur bieten kann. Und es kamen hunderte Bilder der Inbrunst, und sein verzücktes, verzweifeltes Begehren rann als maßlose Erhöhung durch ihr Blut.

Da ward ein solcher Brand nach Blüte in ihr, daß sie, nackt hingeworfen, alle diese Blätter über sich gelegt, mit jeder Pore, mit dem ganzen Sonnengeflecht die magischen und dunkel duftenden Ausströmungen der breiten Männerschrift in sich trank.

Der Brief schloß:

„Ein Kind von Ihnen wäre die Krönung meines Lebens — eine Tochter gar, die Ihnen gliche an märchenhafter Anmut — ich glaube, da würde ich toll vor Glück. Doch wüßte ich selbst, Sie könnten nie mehr Kinder haben, auch dann wäre mir Ihre bloße Nähe schon so wertvoll, daß ich nichts unversucht ließe, Sie zur Frau zu gewinnen. Nur hinter Ihnen hergehen dürfen ist mehr als jede Andere umarmen.“

Sie erbat Bedenkzeit. Das Beste von ihr war noch drüben in jener Ehe, die doch bis zu Gott hätte reichen sollen. Hatte aus ihrem Phantasiekörper sich ein Abbild Gabriels geschaffen in einer strahlenden Materie in den lichtesten Stoffen der Welt. Dieses Ikon konnte nicht so schnell verwesen. Sie hatte es noch nicht ausgeliebt — ausgeglaubt. Alles kam von den zwei Jahren der Verzögerung, und daß man die Erwachsene hatte einsperren dürfen in Minderjährigkeit. Jetzt hätte sich das Ikon bereits reif und leidlos aufgelöst gehabt. Wieder überstrahlte sie der erste große Haß gegen Papas verbrecherische Torheit.

Als sie Gabriel von Trennung sprach, vermochte er es nicht zu fassen, hielt alles für Wahn. Flehte: „Versuche es wenigstens noch ein Jahr mit mir.“

„Begeisterung ist keine Heringsware, die man einpökelt für mehrere Jahre,“ feixte Ralph Herson.

„Zeit: das Kostbarste vergeuden.“ Gleich müsse sie fort. Drang auf rascheste Scheidung. Er als Engländer liebe klare Verhältnisse. Nicht einmal sehen wolle er sie vorher. Lady Tatjana tauchte wieder auf, trug Sturm hin und her, schluchzte, beschwor. Ein Wortbruch — Sibyl hatte ihr Wort noch gar nicht gegeben — wäre ärger als Mord.

Aber gerade diese Lady Tatjana ließ sie auf einmal wieder tief zögern. Nein, es ging nicht.