Hinter seinem breitweggerollten Mund lagen die schöngesetzten Zähne fest aufeinander.

Sibyl war morgens beim Arzt gewesen, hatte sich die Herztöne bestätigen lassen, nun waren es keine „hysterischen Faxen“ mehr. Nachmittags fuhr er in die Stadt zu seinem Anwalt. Kam spät nachts zurück. Ließ sie zu einer Unterredung in sein Arbeitszimmer bitten. Er liebte Form. Schon im Nachtgewand, kleidete sie sich nochmals sorgfältig an, wie zu einem kleinen intimen Souper, trat ein. Er rückte einen Klubsessel beflissen zum Schreibtisch, das undurchdringliche Gesicht lässig neugierig gespannt über der kerzensteifen Hemdbrust. Nahm dann eine frische Feder, prüfte die Spitze, legte sie ihr hin wie zu einer kommenden Unterschrift, entfaltete ein Dokument. Begann zu lesen. Es war ein Ehekontrakt.

Nein, eigentlich mehr ein Scheidungskontrakt. Ihr Vermögen und ihr künftiges Kind verblieben auf alle Fälle ihm, während er das Recht haben sollte, sie jederzeit entschädigungslos auf die Straße zu werfen. So ungefähr klang der verschleierte Sinn hindurch.

Sie saß ganz still. Alle Wirbel begannen zu zittern. Tief innen zuckte sein Kind.

Er erläuterte:

„Es war recht schwierig, das in rechtsgültige Formen zu bringen. Nach diesen lächerlichen gynäkokratischen Ehegesetzen, denen ich mich niemals unterwerfe, hätte ja meine Frau bei einer Trennung den Anspruch auf den vierten Teil meines Vermögens. Gegen solche juristische Attentate auf meine materielle Freiheit muß ich mich zu schützen suchen, und mit etwas gutem Willen und einem guten Advokaten läßt sich viel machen, also bitte zu unterschreiben. Es ist das wie ein Sicherheitsgürtel, ehe man sich auf hohe See begibt. Gerade weil du ja hoch über den selbstischen Interessen der gemeinen Weibchen stehst, liegt deiner Unterschrift nichts im Wege.“

„Vielleicht die Selbstachtung,“ sagte sie leise.

Es waren zwei Dokumente. Im ersten mußte sie ihm eine phantastische Summe, viel größer, als ihr tatsächliches Vermögen, als Mitgift zubringen. Das zweite, weit vorausdatiert, enthielt das Geständnis eines Ehebruches — aber, da verstand sie schon nicht mehr ganz — offenbar irgendeiner Infamie, die sie völlig in seine Hand geben sollte. Ob das alles wirklich rechtsgültig — ob es auch nur möglich, was ging es sie an. Ihr Gehirn stotterte nur in einem fort:

„Die ersten Herztöne seines Kindes benützt er zu Erpressungen.“

„Zu Erpressungen, die Not, in die er mich durch Vertrauensmißbrauch gebracht.“