Ihr Lieblingskind

Helen Keller.

Gegen Ende Mai reisten Frau Keller, Helen und Fräulein Sullivan nach Boston. Unterwegs blieben sie ein paar Tage in Washington, wo sie Dr. Alexander Graham Bell und den Präsidenten Cleveland besuchten. Am 26. Mai langten sie in Boston an und begaben sich nach dem Perkinsschen Institut; hier traf Helen mit den kleinen blinden Mädchen zusammen, mit denen sie das Jahr zuvor korrespondiert hatte.

(Vergl. Teil I [S. 43].)

Im Juli besuchte Helen Plymouth. Der folgende, drei Monate später geschriebene Brief zeigt, wie gut sie sich ihres ersten Geschichtsunterrichts erinnerte. Der »Onkel Morrie« ist Herr Morrison Heady aus Normandy (Kentucky), der als Knabe das Gesicht und Gehör verloren hatte. Er hat einige Gedichte geschrieben, die gar nicht übel sind.

An Herrn Morrison Heady.

Süd-Boston, Mass. 1. Oktober 1888.

Mein lieber Onkel Morrie! Ich hoffe, Du wirst Dich recht freuen, einen Brief von Deiner kleinen lieben Freundin Helen zu erhalten. Ich bin sehr glücklich, Dir zu schreiben, weil ich an Dich denke und Dich liebe. Ich lese schöne Geschichten in dem Buche, das Du mir geschickt hast, über Karl und sein Boot und Artur und seinen Traum und Rosa und das Schäfchen.

Ich bin in einem großen Boote gewesen. Es war wie ein Schiff. Mutter und Lehrerin und Frau Hopkins und Herr Anagnos und Herr Rodocanachi und viele andere Freunde gingen nach Plymouth, um sich viele alte Dinge anzusehen. Ich will Dir eine kleine Geschichte über Plymouth erzählen.

Vor vielen Jahren lebten in England viele gute Leute, aber der König und seine Freunde waren nicht lieb und sanft und geduldig mit den guten Leuten, weil der König nicht wollte, daß die Leute ihm ungehorsam waren. Die Leute wollten nicht gerne mit dem König in die Kirche gehen, sondern bauten für sich selbst sehr niedliche kleine Kirchen.