Der König war sehr böse auf die Leute, und sie waren traurig, und sie sagten: Wir wollen nach einem fremden Lande gehen, dort zu wohnen, und liebe teure Heimat und unartigen König verlassen. So legten sie alle ihre Sachen in große Kisten und sagten: Lebewohl. Sie tun mir leid, weil sie sehr weinten. Als sie nach Holland kamen, kannten sie niemand, und sie konnten nicht wissen, worüber die Leute sprachen, denn sie verstanden kein Holländisch. Aber bald lernten sie einige holländische Wörter, aber sie liebten ihre eigene Sprache und wünschten nicht, daß kleine Knaben und Mädchen sie vergaßen und komisches Holländisch sprechen lernten. So sagten sie: Wir müssen nach einem neuen Lande gehen weitweg und Schulen und Häuser und Kirchen bauen und neue Städte machen. So legten sie alle ihre Sachen in Kisten und sagten Lebewohl zu ihren neuen Freunden und segelten in einem großen Boote fort, um ein neues Land zu finden. Arme Leute waren nicht glücklich, denn ihre Herzen waren voller trauriger Gedanken, weil sie nicht viel von Amerika wußten. Ich denke, kleine Kinder müssen sich vor einem großen Ozean gefürchtet haben, denn er ist sehr stark und wirft ein großes Boot hin und her, und dann fallen die kleinen Kinder hin und zerschlagen sich ihre Köpfe. Nachher waren sie viele Wochen auf dem tiefen Ozean, wo sie keine Bäume oder Blumen und kein Gras sehen konnten, sondern nur Wasser und den schönen Himmel, denn die Schiffe konnten damals nicht schnell segeln, weil die Menschen noch nichts von Maschinen und vom Dampf wußten. Eines Tages wurde ein lieber kleiner Knabe (a dear little baby-boy) geboren. Sein Name war Peregrine White. Ich bin sehr traurig, daß der arme kleine Peregrine jetzt tot ist. Jeden Tag gingen die Leute auf Deck, um nach Land auszuschauen. Eines Tages war ein großes Geschrei auf dem Schiff, denn die Leute sahen das Land und waren voller Freude, weil sie sicher ein neues Land erreicht hatten. Kleine Mädchen und Knaben hüpften und klatschten in die Hände. Sie waren alle froh, als sie an einem großen Felsen Halt machten. Ich sah den Felsen in Plymouth und ein kleines Schiff wie die Mayflower und die Wiege, in der der liebe kleine Peregrine schlief, und viele alte Dinge, die in der Mayflower kamen. Es würde Dich freuen, Plymouth einmal zu besuchen und viele alte Dinge zu sehen.

Nun bin ich sehr müde, und ich will mich ausruhen.

Mit vieler Liebe und vielen Küssen von Deiner kleinen Freundin

Helen A. Keller.

Die fremdsprachigen Ausdrücke in den folgenden Briefen, von denen der erste während eines Besuches im Blindenkindergarten geschrieben wurde, hat Helen Monate zuvor kennen gelernt und in ihrem Gedächtnis aufbewahrt. Sie machte sich die Wörter zurecht und bediente sich ihrer, indem sie sie mitunter ganz sinngemäß gebrauchte, mitunter aber auch nur nach Papageienart wiederholte. Selbst wenn sie Wörter oder Gedanken nicht ganz verstand, so liebte sie sie dennoch niederzuschreiben. Auf diese Weise lernte sie Wörter, die einen Gesichts- und Gehörseindruck und mithin Vorstellungen bezeichnen, die außerhalb ihrer persönlichen Erfahrung liegen, richtig gebrauchen. »Edith« ist Edith Thomas.

An Herrn Michael Anagnos.

Roxbury, Mass. 17. Oktober 1888.

Mon cher Monsieur Anagnos.

Ich sitze am Fenster, und die schöne Sonne bescheint mich. Lehrerin und ich kamen gestern in den Kindergarten. Es sind hier sieben kleine Mädchen, und alle sind blind. Ich bin traurig, daß sie nicht viel sehen können. Werden sie einst sehr gesunde Augen haben? Die arme Edith ist blind und taub und stumm. Sind Sie sehr traurig über Edith und mich? Ich werde bald nach Hause gehen, um meine Mutter und meinen Vater und meine kleine gute, süße Schwester wiederzusehen. Ich hoffe, Sie werden nach Alabama kommen, um mich zu besuchen, und ich will Sie in meinem kleinen Wagen zu einer Ausfahrt mitnehmen, und ich hoffe, Sie werden sich freuen, wenn Sie mich auf dem Rücken meines kleinen lieben Ponys sehen... Wenn ich dreizehn Jahre alt bin, will ich in viele fremde und schöne Länder reisen. Ich werde sehr hohe Berge in Norwegen ersteigen und viel Eis und Schnee sehen. Ich hoffe, ich werde nicht fallen und mir den Kopf zerschlagen. Ich werde den kleinen Lord Fauntleroy[14] in England besuchen, und er wird sich freuen, mir sein großes und sehr altes Schloß zu zeigen. Und wir werden zu den Hirschen laufen und die Kaninchen füttern und die Eichhörnchen fangen. Ich werde mich nicht vor Fauntleroys großem Hunde Dougal fürchten. Ich hoffe, Fauntleroy wird mich mitnehmen, damit ich eine sehr freundliche Königin sehe. Wenn ich nach Frankreich gehe, will ich französisch sprechen. Ein kleiner französischer Knabe wird sagen: Parlez-vous français? und ich werde sagen: Oui, Monsieur, vous avez un joli chapeau. Donnez-moi un baiser. Ich hoffe, Sie werden mich mit nach Athen nehmen, um das Mädchen von Athen zu besuchen. Sie war eine sehr liebliche Dame, und ich will griechisch mit ihr sprechen. Ich will sagen: se agapo und pos echete, und ich denke, sie wird sagen kalos, und dann will ich sagen chaere. Wollen Sie die Freundlichkeit haben, mich bald zu besuchen und mich mit nach dem Theater zu nehmen. Wenn Sie kommen, will ich sagen Kale emera, und wenn Sie nach Hause gehen, will ich sagen Kale nykta. Nun bin ich zu müde, um mehr zu schreiben. Je vous aime. Au revoir.

Von Ihrer kleinen Lieblingsfreundin