Sie kamen bald miteinander tief ins Gespräch. Köppert ließ sich Ollys Arbeiten zeigen und lobte vieles. Von einem Kopfe sagte er: »Reife gute Arbeit – und wie alt können Sie denn sein? Zwanzig, zweiundzwanzig?«

»Ja.«

»Und ich alter Mensch bin sechsunddreißig und hätte den Kopf net besser machen können. Bei wem haben Sie gelernt?«

Olly sagte es. Sie war so glückselig. Jetzt kam es ja, das Glück. Von wem auf der Welt wäre sie lieber gelobt worden als gerade von Köppert. Und so wahr und ehrlich, wie er es that! Sie durfte ihm glauben. Sie selbst sprach wenig, das Wenige aber ganz verklärt.

»Sie sind etwas heiser,« sagte Köppert.

»Leider.« Sie wurde dunkelrot, es bedrückte und beschämte sie, diese Stimme. Mit einmal war's ihr wie ein Unglück, daß sie so gehemmt sprach. Sie fühlte sich gequält, krank mitten in ihrem Jubel.

Köppert merkte ihre Verstimmung. »Roheit,« sagte er, »ich habe Sie jetzt darin erinnert. Na, so etwas vergeht. Sie sind ein ganz glückliches Geschöpf, sehe ich, ein gutes Talent, einen guten Mann – und ganz jung.« Für sich dachte er: und so ein rührendes Hühnchen, so ein hübscher netter Kerl.

Sie waren im besten Gespräch, da klingelte es. Ollys Mutter, Erwin und Emil kamen. Über Ollys Gesicht ging es wie ein Schatten. Die Stunde war gestört.

Die Neuangekommenen kannten Köppert dem Namen nach sehr wohl. Seine Werke waren schon oft bei ihnen Gegenstand schöngeistiger Unterhaltung gewesen. Sie hatten ihn schon nach allen Richtungen hin kritisiert, waren seinetwegen öfters hart aneinander gekommen, denn ihre Hauptleidenschaft war nun eben, litterarisch und künstlerisch zu kannegießern. Frau Kovalski war hochbefriedigt, bei ihrem Schwiegersohne einen so interessanten Mann zu treffen. Und sie stellte sich mit ihm sogleich auf einen gewissermaßen kollegialischen Fuß, sprach mit ihm in Kunstausdrücken – die neuen Worte, Freilicht, Impressionist und so weiter, schwirrten auf Köppert zu, wie Fliegen, deren er sich vorderhand nicht erwehren konnte. Sie wollte ihm imponieren und außerdem betrachtete sie ihn als einen der Ihrigen. Sie hatte sogar das dunkle Gefühl, als hätte sie ihn gewissermaßen mit »creieren« helfen. Alles, was Kunst war, und was sich gar moderne Kunst nannte, war ihr Departement. Von alledem wußte er aber nichts und dachte nur: ›Was ist denn das für ein Huhn?‹