Sie fingen jetzt im Chor an, über die Verfolgung, die die moderne Kunst zu erdulden habe, zu lamentieren, alle drei – Emil auch mit. »Verflucht! Verflucht! Verflucht! – Die Menschen sind Mistjauche! – um nichts besser als Mistjauche!«
»Erlauben Sie!« sagte Köppert und wendete sich nach beharrlichem Stillschweigen an die Mutter des vorlauten Jünglings, »erstens kenne ich eine moderne Kunst gar nicht. Ich weiß nicht, was Sie darunter verstehen. Zweitens: ein Mensch, wie ich, versteht von Kunst überhaupt nichts; Sie können mich totschlagen, ich wüßte nichts darüber zu sagen. Ich bin erstaunt, was Sie alles wissen, gnädige Frau. Und drittens! Was ist das für ein ungebackenes Brötchen, was da hinten sitzt und mitspricht?«
»Wie denn?« fragte sie.
»Das halbgebackene Brot da, an einer Seite angebrannt und an der andern noch Teig.«
Die vergeistigte Dame, Erwin und Emil schauten ganz verblüfft drein, es ergab sich aber, daß Köppert Emil meinte.
»Wie alt sind Sie, mein Sohn?« fragte er.
»Er ist siebzehn, mein Herr,« erwiderte die Dame, »für sein Alter merkwürdig entwickelt.«
»O weh!« sagte Köppert. »Das ist ein Zeichen der Zeit. Wer sagt das doch: die Kinder sind erst jetzt erfunden worden? Früher wußte man gar nichts von ihnen, man hörte sie unter Erwachsenen nicht. Wie lange zählt Ihr Herr Sohn schon unter die Menschen und thut so ausgezeichnete Aussprüche? Und ist Weltverächter? Verzeihen Sie, gnädige Frau, die Freiheit, die ich mir nehme. Bei solcher Gelegenheit setze ich nämlich wie der Uhu mein Federohr auf. Warten Sie, mein Söhnchen,« fuhr er fort, »wie wär's, wenn Sie ein bissel unter meine Fuchtel kämen? Was wollen wir denn werden?«
»Maler,« antwortete Emil kleinlaut.