»Ja, gut – mehr als das,« antwortete Köppert und blickte teilnahmvoll auf sie hin.

»War es Ihnen da auch so – beinah qualvoll glückselig zu Mute?«

»I wo,« sagte Köppert, »lassen Sie die Esel reden, was sie wollen, einen wie den andern! Was geht Sie das eigentlich an? Aber lassen Sie's gut sein, ich versteh' schon, wir sind nun einmal solche Narren, daß wir uns von andern das Lebenslicht anbrennen und ausblasen lassen. Wenn uns die verdammte Kunst hat, gehören wir den andern, nicht mehr uns selbst, – die können machen mit uns, was sie wollen; das ist so eine Einrichtung. – Aber das darf nicht sein! So ein Hunde- und Sklavenleben! Ich habe die Frechheit, an mich selbst zu glauben, ich bin mir selbst die Hauptsache. Da sagt doch, was Ihr wollt – Ihr –! Denken Sie so. Einfach: die andern gehen Sie nichts an. So allein ist die Kunst gesund, und wie kann man sonst ein anständiger Kerl bleiben? Auf sich selbst hören, auf niemand anders, das ist die einzige Rettung.«

»Ja,« erwiderte Olly treuherzig; »aber zwischen dieses ruhige Überlegen kommen Stürme und werfen alles durcheinander.«

»Stürme im Waschbecken,« brummte Köppert. »Wir nehmen uns viel zu wichtig. Übersetzen wir uns in Raupen und Insekten. – Was sind wir denn anders? Stellen Sie sich so ein Insekt vor – und den Summs darin – komisch! Und was meinen Sie – der da oben«, Köppert zwinkerte zur Decke hinauf, »kennt sich zwischen einer Handvoll Räupchen und einer Handvoll Leut' längst net mehr recht aus.«

Olly sah ihn ernst an. »Ja, wahrscheinlich ist es gut, so zu denken,« sagte sie; »aber man müßte es erst lernen.«

Sie hatten beide leise miteinander gesprochen. Köppert immer noch zu ihr hingeneigt, damit sie sich beim Sprechen nicht anstrengen sollte.

»Nun, Frauchen,« sagte der Doktor, »wir haben auch ein Wort miteinander zu reden.« Er bot ihr wie im Scherz seinen Arm und sie gingen miteinander in das Nebenzimmer.


Köppert und der Arzt verabschiedeten sich miteinander.