Und wie die beiden es verabredet hatten, so geschah es. Es war ein sonnenklarer, windiger Januartag, kristallhell, da fuhren sie mit ihrem Fisch der Isar zu. Niemand wußte davon. Olly hatte auch die Köchin aus dem Hause geschickt, damit sie den Karpfen in aller Ruhe aus dem Schaff in sein Netz stecken konnten. Jetzt hielt sie ihn unter ihrem Wintermantel verborgen. Wie fest und gesund er war und wie er schnickte! Im Wagen gab sie ihn Emil wieder zu halten. Sie fuhren bis über die Maximiliansbrücke, stiegen dann aus und bogen in die Isaranlagen ein.
Es war bitterkalt und der Wind schneidig. Olly schüttelte sich vor Frost – die Zähne klapperten ihr. »Wie du frierst,« sagte Emil. »Es war am Ende doch dumm, daß wir gegangen sind. Ich lauf' voraus und steck' ihn rasch ins Wasser.«
»Nein, laß mich's sehen.«
So gingen sie miteinander weiter. Olly war plötzlich müde. Sie kamen nur langsam vorwärts. »Ich weiß nicht, was mir ist,« meinte sie. »Es ist wieder die bleierne Müdigkeit. So mit einemmal.«
»Na, das kam ja immer schon früher,« sagte Emil, »das hat wohl nichts zu sagen. Komm nur.«
Jetzt standen sie miteinander unten an der Isar. Die floß so klar und durchsichtig und eisigkalt vor ihren Füßen hin und der Wind strich darüber und drang ihnen durch die Kleider. Der Fisch schnickte ganz gewaltig, es war, als wenn er die Freiheit witterte.
»Ob's ihm nun gerade hier in der Isar behagt?« sagte Emil. »Ich glaube, da unten fließt das Wasser ruhiger, da kann er sich besser aufhalten, das ist so wie eine Art Teich. Weißt du, ein Karpf liebt das Ruhige und Sumpfige.«
Sie gingen miteinander dem Wind entgegen. Olly war ganz kraftlos und hielt sich an Emils Rockärmel. Emil wirtschaftete im Netz mit beiden Händen an dem Karpfen herum. »Jetzt haben wir ihn,« sagte er. Der Karpfen glänzte in der Sonne und unter dem blauen Himmel wie ein großes Stück Gold.