Wie rührend, wie gut sie eben war, sie wollte das beste, wie ihn das beglückt hatte! Jetzt lag sie in ihren Kissen, lieblich, aber wie eine Pflanze, die mitten im Aufblühen vom Frost berührt ist. Die Kraft, die Strammheit war hin, etwas Leidendes, Mattes war über sie gekommen, unmerklich fast; aber es war da. Die glänzenden, verweinten Augen schauten so unstet, so ohne Ermüdung. Gastelmeier atmete schwer auf. Er dachte an den Abschied von daheim, Weihnachten vor einem Jahr, an das, was sein Alter daheim von Liebessachen verstand, und es wurde ihm schwer und schwerer ums Herz.
Olly klagte wegen allerlei Beschwerden. Sie fühlte sich sehr unwohl, war so beunruhigt und gequält; und immer hatte sie es mit dem Karpfen zu thun, der sich mit seiner Qual in den Schlamm verkrochen hat.
»Laß das doch,« sagte Gastelmeier, dem es dabei nicht wohl zu Mute wurde. Da schwieg sie.
»Geh schlafen, Mimm,« sagte sie nach einer Weile.
Sie lag ruhig, mit offenen Augen, und wußte nun schon, was ihr die Nacht bevorstand. Qualen! Die Wiederholung alles dessen, was sie eben erst durchkämpft hatte.
Die großen Riesenvögel schlugen schon mit den Fittichen. Lautlos und mächtig schwebten sie über ihr. Sie kämpften noch miteinander, wer auf die arme Hasenseele sich herabstürzen sollte.
Der Riesendämon war schon mit den Krallen auf ihrer Brust, und wollte den gemächlichen Tanz beginnen, da gesellte sich zu ihm ein zweiter, der die bittere Erkenntnis, vom Leben betrogen zu sein, brachte, und noch einer, der mit seinen Klauen die Stelle aufriß, wo der verzehrende Ehrgeiz saß, und wieder einer, der an versäumte Pflichten mahnte.
Es war eine ganze Schar, die auf sie herabstürzte, Riesenunholde, daß man meinen sollte, sie wären erschaffen, um auf irgend einem gewaltigen Stern gewaltige Kreaturen zu quälen und zu bekämpfen, und hätten sich auf unsre kleine Erde nur verirrt, um nun ihre dämonischen Kräfte an uns lächerlich kleinen Seelchen zu verschwenden.
Olly lag wie erstarrt, ließ alles über sich ergehen. Durch das entsetzliche Chaos aber, dem sie preisgegeben war, sah ein unregelmäßiges, gescheites Gesicht auf sie nieder, ein Gesicht, das sie Zug für Zug mit aller Kraft festzuhalten suchte, auf das sie hinblickte wie auf eine Seligkeit, mitten im Elend. Das Gesicht war ihr Halt, ihre Rettung. Es strahlte von ihm Kraft aus zum Widerstehen, Kraft zu siegen und zu überwinden. Und dieses Himmelsgeschenk, das wie ein Licht über all dem Überwältigenden, Unheimlichen, das sie umgab, aufstieg, sollte sie von sich weisen? So sinnlos – so unfrei – so niedrig! Nein danken –! danken! danken!
Es wurde ihr licht. Gott hatte ihn geschickt, ihr gutes Schicksal. Sie sollte nicht ganz verzweifeln.