Und sie streckte ihm wieder die Arme entgegen in ihrer Not, und wie hellsehend, als schaute und fühlte sie ein wirkliches Begebnis, empfand sie, wie er diese hilfesuchenden Hände hielt und sie selbst an sich zog. Und sie schmiegte sich fest – fest an seine Brust, und er sprach zu ihr als Mensch zum Menschen. Da war es ihr wohl, und als der erste blasse Schimmer des Morgens am Fenster aufdämmerte, kam auch der Schlaf, der langersehnte.
Das Leben spann sich weiter.
In dem jungen Haushalt war die Freudigkeit ausgelöscht. Der Arzt kam alle zwei, drei Tage und schaute nach seiner Patientin. Sie war den ganzen Winter über nicht aus dem Haus gekommen. Gastelmeier hatte unruhige Nächte nach freudlosen Tagen kennen gelernt. Eine ungeheure Enttäuschung lag über ihm und es war ihm nicht wohl in seiner Haut. Die Eindrücke, die Olly ihm nachts brachte, lagen wie Zentnerschwere über ihm. Sie litt oft an qualvollem Luftmangel, Beängstigungen kamen über sie, die Todesangst in ihrer furchtbarsten Gestalt; dann hielt sie den armen Mimm umklammert und wand sich in seinen Armen und mit weit aufgerissenen Augen schaute sie ihn an – und er mußte aushalten und den Jammer ansehen und anhören.
»Mimm, mein Bild!« rang es sich mühselig in solchen Stunden von ihren Lippen.
»Na, laß doch, laß doch!« sagte er dann.
»Ja, laß doch, laß doch!« flüsterte sie heiser, erstickt, voller Trotz und Verzweiflung.
»Ach, Mimm, du Armer!«
Er fand das rechte Wort nie.