Olly arbeitete an einem Bilde, das zur internationalen Ausstellung fertig werden sollte. Das Mädchen unter dem verblühten Apfelbaum hatte sie verkauft. Reproduktionen waren danach gemacht, es war besprochen worden. Köppert hatte die erste Besprechung ins Haus gebracht.

Gastelmeier erinnerte sich, wie er sie ihr damals in die Hand drückte, so von ungefähr, ohne ein Wort zu sagen; aber mit einem Ausdruck von froher Teilnahme. Er erinnerte sich, wie Olly las, wie das Gesicht aufstrahlte, – wie sie Köppert anblickte mit großen, ausdrucksvollen Augen. Köppert, nicht ihn, hatte sie angesehen. Er erinnerte sich, wie sie mit einemmal auflebte. Ein Wunder! Die Krankheit war wie von ihr fortgeweht. Sie lebte auf, sie war die alte Olly.

Ein glücklicher Tag! Wie entzückend sie aussah! Übermütig, vom Glück berauscht.

Und Köppert, der gute, wunderliche Mensch! Er hatte ihn immer für einen sonderbaren Kauz gehalten und für einen Biedermann durch und durch, hatte einen gehörigen Respekt vor ihm gehabt, vor seinem Können; aber er war ihm ein ungemütlicher Bursche geblieben, borstig, streitsüchtig, selbstbewußt – nun hatte er ihn ganz anders kennen gelernt.

Weiß Gott, das brachte Mimm nicht fertig, so ganz einzugehen auf die Wünsche des kranken Geschöpfchens, so sich ihr widmen! Fabelhaft, wie Köppert ihr, wenn er neben ihr vor der Staffelei stand, mit ein paar Worten helfen konnte! Immer traf er den Nagel auf den Kopf. Und wie sie ihn verstand! So eine Art, zu arbeiten und zu lehren, hatte Gastelmeier noch nicht gesehen. Was er vom Lehren wußte, war ein beschwerliches Kriechen, fortwährendes Mißverstandenwerden, gleichgiltiges Eingreifen. Die beiden arbeiten mit einer Spannung, einem vollkommenen Wachsein, so nervös wie zwei Vollblutpferde. Und wie kam sie vorwärts! Ganz erstaunlich.

»Halt sie doch lieber zurück, sie übernimmt sich,« hatte Gastelmeier ihm ein paarmal gesagt.

»Weshalb?« hatte Köppert gefragt. Und in diesem ›weshalb‹ lag alles. Es lag ihr Todesurteil darin und zugleich: ›Glaubst du's ihr nicht?‹

Rührend war es anzusehen, wie Olly sich in dieser Zeit der Wirtschaft auf ihre Weise annahm, kindisch und unbeholfen zwar; aber sie zeigte den besten Willen. Sie verstand, so eine Art kleine Kuchen aus Eierschaum zu backen; auf einen Bogen Papier wurde der Schaum getropft und im Ofenrohr gebacken. Dieses Backwerk richtete sie im Zimmer mit der größten Umständlichkeit her. Ein einziges Mal brachte sie es wirklich zu stande und war ganz glücklich darüber und sagte im Eifer: »Nicht wahr, Mimm, das gefällt dir, so magst du's? Alles im Haus gebacken, das ist so behaglich. So warst du's auch daheim gewöhnt, alter Mimm.«

Mimm fürchtete die Fassung zu verlieren, nickte Olly zu und ging zur Thüre hinaus, so ein trauriges, fades Eierschaumküchlein, das Symbol seiner Enttäuschung, noch zwischen den Zähnen. Sie hatte ihm eins nach dem andern in den Mund gestopft. Er griff nach Hut und Überzieher, es litt ihn nicht mehr im Hause.

Was hatte er für ein Heim, so etwas Lächerliches, Verrücktes, Trostloses!