»So ein Esel,« sagte er, »so ein großer Esel!« Und verbarg seinen Kopf in den Kissen. Aber er riß sich aus der Qual und sagte: »Wenn du so gut und klug bist, wird alles gut werden.«
Sie schüttelte den Kopf und nahm wieder den Stift in die Hand und schrieb kaum leserlich: »Keine Hoffnung wecken – um Gotteswillen nicht.«
Er las, legte beide Zettel in seine Brieftasche »Nein,« sagte er, »keine Hoffnung und keine Hoffnungslosigkeit. Wir wollen uns an die Gegenwart halten.«
Er setzte sich wieder zu ihr und sie gab ihm beide Hände.
Es wird dämmerig. Der Fensterflügel steht ein wenig geöffnet und unter dem feuchten, grauen Himmel klingt draußen, aus einem Garten herauf, das Amsellied, das die Herzen in den großen Verjüngungsstrom einzutauchen ladet. Sie hören es beide – halten sich an den Händen und hängen mit den Blicken fest aneinander.
Jetzt kritzelte sie wieder auf einen Zettel: »Ein Glück ohne Reu' – alles durch dich, mein Kamerad.«
Er strich ihr über die Hand. Sie solle ruhig, ganz ruhig sein. Die Amsel draußen brach ab – setzte wieder an – die urweltlichen Tönchen wurden leise, wie träumerisch, schwollen an, sehnsüchtiger, banger – seelenbeklemmend. Das wonnevolle Frühlingsweh lag über der Erde.
Die beiden im stillen Zimmer hielten einander immer noch bei den Händen, und sie suchte seine Blicke. Sie lebte von seinen Blicken.
Dann kritzelte sie wieder; aber die eine Hand des Kameraden behielt sie in der ihren und klammerte sich fest daran, während sie schrieb – so fest und bang, als fürchtete sie, daß er gehen würde.
Ja – und er fühlte auch, er durfte nicht gehen. Er mußte nun bleiben. Sei es, wie es wolle. Er dachte, dachte dumpf, wie er es am besten einrichten könnte, er wollte mit Mimm sprechen. Er durfte sie jetzt nicht verlassen. Inzwischen kritzelte sie, langsam, immer ausruhend.