Die Dämmerung sinkt tiefer und tiefer. Olly wird unruhig, wirft sich hin und her, ihr Blick wird so bang, so unendlich bang. Sie fühlt sich gequält.

Dann wird sie ruhig und der Ausdruck, wie es ihm scheint, fast heiter. Wieder greift sie nach dem Stift und er reicht ihr einen Zettel hin. Sie kritzelt im Halblicht: »Und weißt du – selbst nach dem Karpfenschlag, mein Kamerad, auch wenn der Karpfen ganz ergeben ist, kann doch noch Unverhofftes geschehen. Unser dicker Freund, der Goldkarpfen, hatte alles aufgegeben, seinen Karpfenschlag gemacht – war geduldig geworden – und die Freiheit kam! Ich seh' ihn noch – wie ein Goldstreif, husch, ins freie Wasser – fort war er, und froh und gesund.«

Er liest den Zettel, legt ihn zu den andern in die Brieftasche – und wendet sich ab. Die Thür öffnet sich, Emil kommt leise herein und bringt Licht.

Er schleicht an Ollys Bett. »Ollychen, was hast du denn?« fragt er sonderbar und stellt die verhängte Lampe auf den Tisch.

»Ollychen?« Er fragt ganz ruhig und doch angstvoll.

Jetzt blickt Köppert auf sie hin. Es ist eine Veränderung mit ihr vorgegangen. Die Augen sind halb geschlossen, es liegt etwas Schweres auf ihr – wie eine ungeheure Schläfrigkeit.

»Ollychen, was hast du denn?« fragte Emil wieder.

Sie winkt schwer mit der Hand.

Auf ihrem Bette liegt noch das Fläschchen. Emil greift danach. Er hält es – hält es und schaut – darauf hin. »Es wird ihr doch nicht schaden,« sagte er flüsternd. »Sie hat da aus dem falschen Fläschchen genommen und gewiß wieder getrunken. Das macht sie immer mit aller Medizin. Ihr Schlafmittel – und – ist leer.«