Und sie waren vorsichtig, nachdem sie in seinen Seelenzustand Einblick genommen hatten. Diesen guten Menschen zu kränken, kam ihnen nicht bei, und sie machten unter der Hand Fremde, die in ihrem Kreise auftauchten, auf Gastelmeiers Eigentümlichkeit aufmerksam, um seine empfindliche Herzensstelle vor unberufenen Fingern zu behüten. Dem kleinen Gastelmeier erging es allenthalben gut, denn er war gern gesehen.
Heute teilte er seinen Kollegen mit, daß er nicht in sein altes Quartier zurückkehren werde, bat zu gleicher Zeit die Kellnerin um die »Neuesten Nachrichten« und war bald in die Inserate vertieft.
»Büchselmeier, aber nun suche dir die Bude einmal möglichst nahe bei deinem Atelier, sei so gut. Das ist ja ein Unsinn, wie du dir die Sache eingerichtet hast,« sagte einer. »Also Schelling- – Barer- – Blütenstraße – so etwas.«
»Gieb einmal her.« Gastelmeiers Gegenüber streckte die Hand nach der Zeitung aus und nahm sie an sich. »So, jetzt paß auf. Werden wir gleich haben.«
Inzwischen nahm Gastelmeier die Einladung eines seiner Kollegen, bis sich etwas Passendes gefunden, bei ihm auf der Stube zu wohnen, dankend an.
Sie suchten jetzt in den Inseraten und es fand sich etwas.
»Da gehst du hin – zuallererst. – Hör' mal: ›Zu vermieten!‹ – also: ›Es wird vermietet‹ – noch einmal! Unpraktische Leute! – Also: ›Es wird vermietet – ein Zimmer. Südseite, auf längere oder auch kürzere Zeit, nach Belieben. Schaut ganz ins Grüne‹ – in dieser Jahreszeit nicht übel – ›ist originell möbliert‹. – Weiter: ›Preis nach den Verhältnissen des Mieters‹. Was sagst du dazu? Sollte man es nicht mit dieser komischen Heiligen versuchen – riesig unpraktisch!«
»Das hat eine alte poetische Jungfer geschrieben,« sagte Büchselmeier. »Da wäre man ja auch vor einer Tochter sicher.«
»Möglich,« sagte einer.
»Na, wollen sehen,« meinte Gastelmeier. Und so ging er noch diesen Tag in der letzten hellen Nachmittagsstunde in die Blütenstraße, um besagtes Zimmer in Augenschein zu nehmen.