Drei Treppen hoch stieg er im Rückgebäude, das frei und luftig in einem Garten lag.
»Drei Treppen – Rückgebäude – na« – brummte er zweifelhaft. Das war nicht so ganz, was er wollte, aber still, ja das schien es zu sein. Etwas steile Stufen. – In der Stadt liebte er seine Bequemlichkeit. Es waren im Haus meist Ateliers, nur im dritten Stock schien eine Familienwohnung zu sein. Da ließ sich vielleicht mit der Zeit etwas machen. Er könnte auch sein Atelier hierher verlegen. »Wollen sehen.« So stieg er Stufe für Stufe gemächlich hinan und schellte endlich. Es war eine Klingel, die kaum einen Laut von sich gab, als wäre sie heiser oder als hätte man ihr etwas umgewickelt, um ihren Klang zu dämpfen.
Dieser Umstand fiel Gastelmeier auf, besonders da er dreimal sich bemerklich zu machen suchte – ohne Erfolg.
»Schließlich liegt da wer krank. Prost Mahlzeit! Mach, daß du fortkommst, Alter. Sonderbares Volk – erst ein Inserat, darauf umwickeln sie das Läutwerk. Dös is nix.«
Mit dieser tiefsinnigen Bemerkung wollte er eben sich anschicken, die Treppe unverrichteter Sache wieder hinabzusteigen, da that sich ganz unvermutet die Thüre auf und eine schmächtige Person in mittleren Jahren, mit unruhigen Augen, in einem schwarzen engen Gewand, stand vor ihm.
»Was wünschen Sie, mein Herr,« sagte sie auf eine Weise, der er im stillen die Bezeichnung »madamig« gab. Trotzdem sie eng und schmächtig gekleidet war, sah er sie im Geiste vor sich in weiter Krinoline mit einem Kleide, das aus lauter Garnierungen bestand, einem hohen Federhut mit Fächer und einem türkischen Shawl.
Eine so gekleidete gezierte Dame hatte er als Kind in einem Bilderbuche kennen gelernt, und die Stallmagd hatte ihm gesagt, daß das eine »Madame« sei. Seitdem wußte er, was eine »Madame« war – und die da vor ihm stand, war eine »Madame«. Das stand fest.
Sie hatte übrigens ein eigentümlich vergeistertes, wenn nicht gar vergeistigtes Gesicht und sah gescheit und aufgeregt aus.
›Diese Person kocht schlecht,‹ dachte Speckmeier, ›und nährt sich schlecht. Das werden die alten Fräulein wohl so an sich haben.‹
»Mein Fräulein, Sie haben ein Inserat …«