»Doch, mein Fräulein,« sagte seine Zunge aus eigenem Antrieb, »es war allerdings mein Vorhaben, das Zimmer zu mieten, wenn sie keinen besseren Mieter dafür wissen.«

Ohne sein eigenes Zuthun drückte sich diese Zunge sehr fad und vorlaut aus, kam ihm zuvor und hatte ihn nun gehörig hineingeritten. Das war ja so gut wie gemietet. Teufel auch!

Jetzt standen sie in »seinem« Zimmer. Emil kam mit einem alten Brötchen und einer Flasche Terpentin, die Mutter war nach einem Lappen fortgestürzt und nach geraumer Zeit waren die drei Personen, die Mutter, Emil und Olly, genannt Tante Rebella, mit seiner Person und ihren Flecken beschäftigt.

»Ruhig Blut,« sagte Emil einmal übers andre. »Erst mit dem alten Brötchen ordentlich abschaben und trocken reiben, dann erst mit dem Lappen, sonst verschmiert ihr's.«

Er machte bei dieser Prozedur einen recht vertrauenerweckenden Eindruck. »Ruhig Blut, ruhig Blut!« aber mußte er einmal übers andre sagen, denn dem Temperament der beiden Damen schien das Terpentinöl und der Lappen weit mehr zuzusagen als das trockene Brötchen. Während dieser Prozedur fühlte sich Gastelmeier immer mehr und mehr zur Familie gehörig. Er erfuhr ihren Namen. Sie hießen Kovalski. Das heißt: Frau und Tochter und Emilie hießen so, der Sohn aus erster Ehe trug den Namen Oel. Der zweite Gatte der Dame war ein polnischer Maler gewesen, der kurz nach der Geburt des dicken Emil das Zeitliche gesegnet hatte. Olly war zwanzig und der Jüngste wurde siebzehn.

Gastelmeier mußte sogar den Rock ausziehen, weil Emil versicherte, anders wäre es gar nicht möglich.

»Gnädige Frau,« unterbrach jener das eifrige Treiben. »Nun erbarmen Sie sich auch der Haare und des Näschens Ihrer Fräulein Tochter.«

Mit demselben Lappen wie er wurde nun auch die Übelthäterin gerieben und geputzt. Und die Verbindung zwischen Gastelmeier und Kovalskis ward immer enger. Es schien in Bezug auf das Zimmer anständigerweise gar nicht mehr zu entrinnen möglich zu sein.

»Verzeihen Sie,« sagte Gastelmeier zu Fräulein Olly, während er von Emils kurzen derben Fäusten bearbeitet wurde. »Als wir auf dem Treppenabsatz vorhin vom Schicksal durcheinander geschüttelt wurden,« – seine Zunge, so kam es ihm vor, sprach immer noch aus eigenem Antriebe – »rief man Sie Rebella und wenn ich nicht irre, Tante Rebella?«