Draußen pochte es jetzt energisch. »Olly,« sagte Emil.
Es war Olly. Sie kam lebendig und frisch herein, etwas hastig. Sie kam vom Aktzeichnen und wollte Thee trinken. Im ersten Augenblick bemerkte sie Gastelmeier nicht und dann begrüßte sie ihn so einfach und gleichmütig, als wäre er längst hier Familienmitglied.
Gastelmeier fand, daß sie nicht besonders viel Federlesens machte. Ehe sie sich ihren Thee einschenkte, beugte sie sich über Emils Zeichnung, nahm ihm den Bleistift aus der Hand und, ohne etwas zu sagen, packte sie die Modellfaust, rückte sie wie es ihr paßte, und über Emils Schulter hinweg arbeitete sie mit festen sichern Strichen in seine Zeichnung hinein. Sie hatte ihr Käppchen noch auf und an der linken Hand noch den Handschuh. Sie war kalt und frisch und strömte Schneeluft aus.
»Olly, du sollst nicht so eisig ins Zimmer kommen, du kältest es ganz aus.«
Olly hörte, wie es schien, nicht. Die feste kleine Hand korrigierte eifrig weiter.
»Und bei dem Wetter! Du wirst dich selbst wieder einmal erkälten, dann haben wir's.« Die Dame seufzte.
Gastelmeier empfand auch den Strom von Frische, der von Olly ausging, und er dachte unwillkürlich an die Abschiedsworte seines Vaters. Er schaute ihr zu, wie sie arbeitete, ganz versunken und in der unbequemen Stellung über Emils Kopf hinweg. Der hatte es ihr allerdings leicht gemacht; den dicken Kopf mit dem dichten blonden Haarfilz auf die Tischkante gelegt, so daß er nicht sehen konnte, wie seine Zeichnung sich unter Ollys flinken Händen veränderte, so hockte er vor ihr.
Gastelmeier schaute ihr unverwandt zu. Das war Talent – das saß. Und sie zeichnete und zeichnete und vergaß alles um sich her, den dicken Kopf und den Thee, und den Fremden.