»Brillant fürs Leben gestellt,« sagte Emil trocken und altklug und setzte seine ironische Maske auf.

»Mein zweiter Gatte war Maler, wie Sie wissen?«

»Ja, Sie sagten es schon, gnädige Frau.«

»Kennen Sie sein Schicksal?« fragte sie. »Wissen Sie, daß er zweiundzwanzig Jahre in den sibirischen Bergwerken gewesen ist?« Das sagte sie gewissermaßen mit Genugthuung, wobei sie den Kopf hob, als wollte sie sich die Überraschung beschauen, die ihre Worte dem Fremden verursachten.

Gastelmeier, der mit dem Schicksal eines nach Sibirien Verbannten keine feste Vorstellung verband, entsprach nur ungenügend der Erwartung.

»Mistjauche,« brummte Emil. »Um nichts besser als Mistjauche sind die Menschen.« Er war aufgestanden und ging mit kurzen strammen Schrittchen im Zimmer auf und nieder.

Die Thüre that sich auf und Erwin, der Sohn aus Oelscher Ehe trat ein. Er sah auffallend elend und hager aus, etwa wie ein Mensch, der vom Zahnausziehen kommt. Es thut nicht mehr weh, aber es hat weh gethan. Man sieht's ihm noch an.

»Bist du ruhiger mein Sohn?« sagte die Mama zärtlich. »Wir leiden beide immer gleich – das muß dich trösten. Jedes Ja im Leben ist ein Glück und jedes Nein ein Unglück. O – die zartbesaiteten Naturen!«

»Erwin,« sagte Emil, »wir sprachen eben von Papa.«

Erwin setzte sich und schwieg.