»Siehst du,« fährt er nach einer Pause fort und bläst aus der Pfeife ein hellblaues, besonders kräftiges Gewölk, »siehst du, – da ist sie!«
Der Sohn steht jetzt neben ihm.
Die weißen, eisigen Nebel wogen mächtig an der langen Herrgottswand hin; ein goldpurpurner Funken glüht zwischen der Wand und dem leuchtenden weißen Himmel, der Schnee verliert das tote Weiß und schimmert rosig golden. Da war sie hervorgesprungen, die Sonne. Mit ihr zugleich hüpfen tiefblaue Riesenschatten ins Land hinein.
Die große beschneite Tanne, die ihre Zweige von dem Schnee beschwert an sich gedrückt hatte, wie ein Soldat die Arme, wenn der Vorgesetzte an ihm vorübergeht, wirft einen hellblauen spitzen Schatten dem Hause zu, und dieser Schatten sieht aus wie der Geist der weißeingehüllten und beschwerten Tanne, der von ihr abgesprungen ist und sich aus irgend einem Grunde in den Schnee gelegt hat.
»So, da ist sie schon wieder in den Nebel gekrochen,« sagt der alte Gastelmeier, »der gefällt's auf Rohrmoos nicht – kann's ihr nicht verdenken. Da hat sie gesehen, wie das bißchen Altstall da drüben stand und eine Käserei, daß Gott erbarm! – da machten wir's eine zeitlang damit, es blieb beim alten – dann wurde gebaut. Sie bekam einen Viehstand zu sehen im Lauf von zwanzig Jahren, wie hier herum keinen zweiten.«
Sie kennt den alten Gastelmeier, hat ihn hier dreißig Jahre jeden Morgen gesehen, hat gesehen, wie er es sich sauer werden ließ, hat dann später die Frau gesehen, wie sie sich plagen mußte.
Sie hat auch gesehen, daß die beiden Leute einen Sohn hatten, und wird gedacht haben: »Der kann lachen, die beiden Alten arbeiten für ihn wie die Pferde, der sitzt einmal warm hier. Aber prost Mahlzeit! Der läßt den Alten jetzt wieder einmal im Stich.«
Der Sohn hatte den Vater ruhig zu Ende sprechen lassen. Das war die Rede, die kam so oder so in allerlei Form jedesmal vor dem Abschied, gerade als wenn der Vater sie sich ausgedacht und einstudiert hätte. Immer fing er an, daß man meinen konnte, diesmal kommt er auf etwas anderes; – aber zuletzt da kam das »Prost Mahlzeit« – das Ende – die Unzufriedenheit, der Stachel, der im Herzen saß.
Auf des Sohnes treuherzigem Gesicht lag ein Ausdruck der Niedergeschlagenheit.
»'s ist auch so gut, Onkel,« sagte das junge, blonde Frauenzimmer. »Er thut halt, was er mag – und daß er's thun kann, das habt doch Ihr gemacht!« Dabei legte sie die Hand auf die Schulter der Mutter, die, über ihren Strickstrumpf gebeugt, während der Rede des Vaters Thränen vergossen hatte.