»Du thust dir jetzt leicht, Onkel, wenn du glaubst, der Friedel könnte ebensogut hier bleiben wie dort, als wenn ein Mensch thun könnte, was er nicht will. – Dich hätten's seiner Zeit in München in die Akademie stecken sollen – Jesus!«

»O, du!« sagte der stramme Alte, – »Nickel, was weißt denn du!«

»Daß man seine Leut' in Ruh lassen soll – was kannst denn du jetzt machen? – Schimpfen? – Das wär net übel und die Frau zum Weinen bringen. – Und alles ist so weit gut. – Er macht sein' Sach' brav und was er wollte, hat er erreicht – gerad' wie du.«

»So?« – der Alte schwieg und erwiderte nichts; er war aber nicht mehr schlecht gelaunt. Sie verstand es mit ihm. Er schaute auch mit einem Blick auf sie, als wollte er sagen: Laß nur, wann du so red'st laßt man sich's schon gefallen. – »Du Almkuh,« sagte er.

»Die Weibsleut' in der Stadt, die könnten mir passen,« fuhr er fort. »O du grundgütiger Esel!« Mit diesen Worten faßte er seinen Sohn an beiden Schultern und schaute ihn mit den scharfen kristallhellen Augen an. »Ein junges Weib, das im Juni und Juli beim Kuß nicht nach Erdbeeren und Erdgeruch duftet, nach frischem Laub und Heu – und Winters nicht nach Schnee und Luft und Kälte – – pfui Teufel – so ein, so ein muffiges, ungelüftetes Weib, das bring du mir einmal nicht! – Das wenigstens nicht! – Da, schau sie dir an – du Narr – so auf die Art!«

Er zeigte auf das Mädchen. Sie stand jetzt aufgerichtet vor dem Kaffeetisch, groß und kräftig, rosig, blond und ruhig.

»Keinen Stadtschmutzfink – keinen Stubenrauch, keinen solchen parfümierten Scharwenzel, wenn ich bitten darf.«

»Du bist ein schöner Bursch und die Mädel laufen dir nach, Junge – das thun sie einmal nicht anders. Denk daran: ein Kuß der nach Erdbeeren schmeckt, nach Erdgeruch und Sonne und frischer Luft – das ist was der Alte von Liebessachen versteht.« –

Der Sohn schaute lächelnd auf das Mädchen, das so gleichmütig dastand und die Hand der Frau gefaßt hielt.