»Komisch? – Na!« sagte Gastelmeier.
»Ein Mensch, der so schreibt, verdient's nicht anders. In der Kunst sollte streng gerichtet werden, strenger als bei einem Verbrechen,« sagte sie fest und mit leuchtenden Augen.
»Die Olly ist ein recht gutes Mädchen,« wisperte das Altweiberstimmchen wieder neben ihm, »aber spinnen thut sie auch. Kunstfexen sind sie eben alle miteinander. Jammerschade. Und ich seh' schon, mein Kraftmensch ist auch net viel besser. So dummes Zeug aufzubringen. Na, wart', den lang' ich mir, den nehm' ich mir 'mal auf die Seite und mach' ihm die Sache klar, dann sollen Sie sehen, der wird so zahm, daß er aus der Hand frißt. – Jodeln sollen Sie ihn aber einmal hören. – Herr Kaufmann, jodeln Sie doch einmal.«
»Ja, mein Schatz,« sagte er, »zu Befehl!« machte wieder ein schiefes Maul, schob die Unterlippe vor und sammelte sich, wie es schien. Darauf begann er zu jodeln, daß die Scheiben klirrten. Er jodelte vortrefflich, ganz ausnahmsweise gut – fabelhaft.
»Sehen Sie,« wisperte das alte Weibchen, »das ist mein Genuß. Das ist für mich schöner als der schönste Gesang. Das ist eine Kraft, an der man sich aufrichten kann.« Sie zwinkerte mit den Äuglein. »Dessentwegen, wegen dem Jodeln, nehm' ich ihn mit.«
Gastelmeier fand an dem alten, kleinen Fräulein immer mehr Gefallen, aber das reizende Geschöpf, die Olly, hatte ihn verstimmt. Freilich mußte er immer auf sie schauen. Er verstand sie nicht. Olly war eine neue Welt für ihn.
Wie sie soweit friedlich bei einander saßen, geschah mit einemmal ein Krach, ein Donner, ein Geklirr und Gepolter, daß alle zusammenfuhren.
»Jesses Maria!« rief das alte Weibchen entsetzt. »Was ist denn das? Wer fehlt denn hier? – Emil.«
Diese praktische, wie es schien, vielgeübte Umschau hatte das alte Weibchen mit großer Geistesgegenwart sofort unternommen. Emil fehlte wirklich.
»Ach Gott!« rief die jetzt ganz entgeisterte Madame, »er hat nach Butter gesucht und hat den ganzen Rauchfang über dem Herd heruntergerissen. Großer, allmächtiger Gott! – mit allen Sachen. Was andres kann es nicht sein!«