Gleich darauf sprach er mit Olly, die von einem wahren Eifer belebt war, alles zu sehen und alles zu hören was es irgend gab.
»Sehen Sie dahin, ach, sehen Sie dahin – Herr Gastelmeier, bitte!« So rief sie alle Augenblicke. Nun sagte sie: »Wie gut von Ihnen, daß Sie mich mitgenommen haben! Sagen Sie selbst, wann sieht ein Mädchen, wie die Menschen sich eigentlich bewegen; an den Modellen doch wohl nicht?«
»Ist Ihnen denn das wirklich so eine Freude?« sagte Gastelmeier.
»Freude? – Nein, Freude nicht. Notwendigkeit! Glauben Sie mir, ich bin nach solchen Dingen verschmachtet.«
»So ein kleines vergnügungssüchtiges Fräulein!«
Da wurde das schöne Mädchen ganz erregt, die dunkeln Augen strahlten. Man fühlte, sie konnte nicht recht zu Worte kommen.
»Nein –!« sagte sie – »da haben Sie mich mißverstanden. In Ihrem Sinne macht mir's kein Vergnügen, – anders! Ich sehe die Dinge und lerne und lerne, wissen Sie, so mit ganzer Seele! Ich fühle dann: so kann man etwas leisten, so mitten im Leben, nie wie bei uns Frauen, wir stehen immer abseits. Was kann man da … Ich will sehen, wie die Menschen leben. Verstehen Sie mich doch.« Sie legte im Eifer ihre Hand auf die seine, wie um an seinem Verständnis zu rütteln. »Ist denn das so schwer zu begreifen? Ich bin Künstler wie Sie Künstler sind. Und Sie glauben nicht, wie eine Frau nach dem Leben und der Wahrheit haschen muß. Sie bekommt nie die Wahrheit zu sehen!«
Olly machte Aufsehen. Allerlei Masken sammelten sich um den Tisch und banden mit ihr an. Gastelmeier wollte bei jeder Gelegenheit ritterlich seiner Dame beistehen.
»Lassen Sie, lassen Sie!« bat sie und legte ihre Hand auf seinen Arm, gewissermaßen, um ihn zu verhindern, aufzustehen. Dann plauderte und lachte sie weiter mit den andern und ging auf alle Scherze ein.
Ein Paar ließ sich neben ihr nieder, wie es schien, ein Akademiker als Köchin verkleidet und ein zweiter als Gerichtsvollzieher. Der letztere fragte sie, wer sie sei.