»Lassen Sie doch diese Leute,« flüsterte Gastelmeier ihr erregt zu. – »Schließlich, angenehm kann es Ihnen doch nicht sein, wenn der Kerl zudringlich wird.«

»Aber gleichgiltig. Sehen Sie nur, der eine sieht ganz wie eine Gans aus, wenn er die Augen so verliebt verdreht. Nicht hier ist Maskerade, sondern die ganze Zeit draußen ist Maskerade. Heut sind die Leute, wie es ihnen bequem ist und paßt, und das sind erst Bewegungen, was man hier sieht, alles andre ist Marionette. Wie ich Ihnen danke, daß Sie mich mitgenommen haben!«

»Ich glaube, Fräulein Olly,« sagte Gastelmeier unwirsch, »Sie studierten noch, wenn so ein Kerl Ihnen einen Kuß geben würde?«

»Freilich!« sagte sie. »Mich ginge der Kuß ja nichts an.«

»Na,« meinte Gastelmeier, der am liebsten das Mädchen am Arm genommen und aus dem Saal geführt hätte.

»Hat Sie ein Hund schon geküßt?« fragte Olly, »so was man von einem Hund küssen nennt. Das ist unangenehm und man sieht zu, daß es nicht geschieht.« Ihre Augen hatten schon wieder etwas in der Menge entdeckt, was ihre Aufmerksamkeit ganz in Anspruch nahm. »Nein,« sagte sie wie zu sich selbst, »wie soll man Künstler sein, wenn man das Leben nicht kennt!«

Gastelmeier wendete sich an Anne und sagte leise: »Denk' nicht schlecht von ihr. Du solltest sie einmal zu Hause sehen, so ein braves Mädel. Sie ist nicht wie die meisten andern, und sie malt wirklich brillant, da könnte sich jeder Mann freuen, wenn er's so fertig brächte. Aber weißt du: – es ist doch schad' an einem Mädel.«

»Schad'?« fragte Annele. »Ich mein', ich versteh' sie, besser als du sogar. Das ist nicht schad'. Sie ist ein mutiges Mädchen.«

Das sagte Annele und das Herz that ihr dabei weh, als wollte es zerbrechen – aber sie mußte es sagen.

»Du, das wundert mich von dir. Ich dachte, die Art müßte dir mißfallen,« erwiderte er darauf.