»Ja, was meinst du, wieviel Zeit soll ich damit verlieren?« antwortete sie.

Als aber alles soweit fertig schien und Gastelmeier ganz bereit war, nun behaglich aufzuatmen, kam er nicht dazu. Er hatte auf vollkommene Windstille gerechnet und wollte es sich nun in seinen vier Wänden wirklich gemütlich machen; aber, was es nur war, mit diesem »sich gemütlich machen« schien er immer noch warten zu müssen.

Sie hatten noch kein einziges Mal, so lange sie nun daheim waren, etwas wirklich Vernünftiges gegessen. – Während der Wirtschaftstage schien dies Gastelmeier ganz erklärlich, trotzdem er sich nicht gerade wohl dabei befand. Er war in seinem Restaurant, in dem er als Junggeselle gespeist hatte, verwöhnt worden. Man hatte für ihn und einige seiner Kollegen täglich ein bestimmtes Fleischstück auf eine besondere Weise als Vorspeise, wie er es daheim gewöhnt war, zubereitet. Er war etwas Gourmet auf seine Weise und hatte sich mit der Wirtin auf guten Fuß zu setzen gewußt, so daß er wirklich wohlversorgt gewesen und gut gediehen war. Seine Zunge war außerordentlich empfindlich und bei dem geringsten Versehen hatte er sich dort ganz gehörig beklagt. Dieser Mittagstisch, dem er präsidierte, hatte während seines Regiments einen guten Ruf erlangt.

Olly in ihrer Bedürfnislosigkeit hatte die Küchenfrage sehr naiv genommen. Zu Hause war sie auch an nichts besonders Ausgeklügeltes und Wohlzubereitetes gewöhnt. Sie hatten es über so eine Art »Schlangenfraß«, wie sie in München sagen, nie hinausgebracht, eine Art, sich zu nähren, wie sie in den Familien üblich ist, in denen die Frau keinen Sinn für Küche und Haushaltung hat. Die meisten Menschen können bei einem so gleichgiltigen, langweiligen, seelenlosen Sich-voll-füllen-müssen gedeihen; aber junge Männer, die beim Eintritt in die Ehe sich zu solch einer traurigen Ernährungsweise verurteilt sehen, werden mißmutig, ärgerlich, unritterlich, die Lebensfreudigkeit wird ihnen ausgeblasen. Sie haben das bessere Leben in den Restaurants während ihres Junggesellentums kennen gelernt und können vergleichen.

Olly hatte sich eine Köchin gemietet, ohne viel Federlesens zu machen. Sie ahnte gar nicht, welch wichtiges Geschöpf die Köchin im Grunde ist. Die Köchin aber ahnte sehr bald, daß das Schicksal sie wohl gebettet hatte, daß sie Herrin auf ihrem Gebiet war, und daß das kleine Wesen neben ihr im Haushalt nicht viel zu bedeuten hatte.

Olly arbeitete von früh bis zum Abend, nachmittags besuchte sie einen Aktkursus, zwischendurch griff sie pflichttreu im Haushalt mit zu, – aber wie im Dunkeln und ganz planlos. Sie versuchte zum Abendessen etwas zu kochen, weil die Köchin um diese Stunde gewöhnlich ihren eigenen Interessen nachging. Sie hatte eine Idee, sie wollte ein Gericht zu stande bringen, das ihr vorschwebte. Da fehlten die Eier. – Mein Gott und die Köchin war nicht da! – Sie kam auf etwas andres, da fehlte das Mehl.

Sie war müde, abgearbeitet. Es hätte alles behaglich für sie besorgt sein müssen, nun mußte sie selbst sorgen. Und sie wußte sich nicht zu helfen, es wirbelte ihr im Kopf; was sie anfaßte war nicht in Ordnung. Sie begann zu kochen mit dem, was sie vorfand, ein Phantasiegericht, das sich zuerst ganz gut anließ, schließlich verkleisterte oder zusammenrann und eine Ähnlichkeit mit Palettenschäbs bekam, der von allen übriggebliebenen Farben, wenn sie auf der Palette zusammengekratzt werden, sich bildet; trotz aller schönen Couleuren, aus denen er besteht, immer ein unerfreuliches, schmutziggraues Gemenge.

Ganz so ließen sich ihre Milch-, Fleisch-, Mehl-, Kartoffel- und Gemüsegehäcksel an, die sie in Abwesenheit ihrer leichtsinnigen Köchin bereitete und die sie manchmal in Schreck und Beschämung, nachdem sie traurige Erfahrungen damit gemacht hatte, von der Pfanne ab ins Feuer schob, wo ihr Gericht als trauriger Klumpen verkohlte, während ihr Gatte im Zimmer auf und nieder ging, und sie einen höhnisch prüfenden Blick der Köchin aushalten mußte, der ihr den Mut benahm, die pflichtvergessene Person auszuschelten. Sie sagte dann nur zaghaft im Gefühl ihrer Unsicherheit: »Ach, bitte, wären Sie so gut und liefen schnell zum Metzger, aber bitte recht schnell!« Sie wagte sich dann nicht ins Zimmer hinein, bis irgend etwas Eßbares im Hause war. Und dabei war sie so müde.