– Aber jetzt – da war nur ein Gedanke und der erdrückte ihr die Seele. Sie fürchtete – glaubte – ahnte und es wurde ihr mehr und mehr zur Gewißheit.
Und es kam ein Abend, da saßen sie miteinander im noch nicht erhellten Zimmer. Das Feuer knisterte im Ofen. Draußen schneite es, und sie hockte zusammengekauert in der Sofaecke. Sie war aus der Stadt gekommen durch Schneegestöber, aus dem Aktkursus. Wie atemlos sie gearbeitet hatte – und wie müde sie war! Kalt, durch und durch kalt, die Füße naß, und sie hatte nicht die Kraft Strümpfe und Schuhe zu wechseln. Sie fühlte sich krank und ganz unter dem Druck einer Bangigkeit, die sie nicht bezwingen konnte. Gastelmeier saß am Fenster.
»Olly, hast du deine Schuhe gewechselt?« fragte er.
»Nein.«
»Weshalb nicht?«
»Ich bin so müde,« sagte sie und fing zu weinen an.
Da war er bei ihr. »Was ist denn, mein armes Kind?« fragte er und kniete vor ihr nieder.
Ja, jetzt kniete er, wie sie es sich einmal vorgestellt hatte, und sie sah gerade auf seine Glatze, die im Dämmerlicht glänzte; das kam ihr komisch und öde und langweilig vor – trostlos mit einemmal.