Anna war in ihren Pelz gekrochen und hatte den Kopf knapp mit einem weißen Tuch umhüllt. In ihrem Gesicht allein war keine Unruhe und Erregung zu bemerken. »Nun, Friedel, wären wir so weit, der Schlitten ist vor der Thür und dein Koffer ist auch schon aufgebunden,« sagte sie.
»Dann geh. – Mach's gut,« sagte der Alte. Anna öffnete die Thüre und ging voraus. Es lag in dem Wesen des Mädchens etwas Beruhigendes und Wohlthuendes.
Sie trug ein altes Pelzchen mit dunkelviolettem Wollstoff überzogen. Es sah aus wie ein Erbstück, das man ihr gegeben hatte, als sie groß genug gewesen war, und in das sie unbedenklich Winter für Winter schlüpfte, ohne irgendwelche andere Anforderungen an das Pelzchen zu stellen, als daß es seine Pflicht, sie warm zu halten, erfüllte. Sie stieg in den Schlitten, während Friedel noch den letzten Händedruck mit den Eltern tauschte.
Der alte Gastelmeier hielt seine Pfeife fest zwischen den Zähnen, schüttelte den Kopf kaum merklich und schaute dem Sohn scheinbar teilnahmlos nach.
Die Leute vom Hof standen ebenfalls ruhig und schweigend.
Abschied ist immer eine böse Sache.
In einem großen Bogen fuhr der Schlitten jetzt um die Dungstatt und an dem mit mächtigen Eiszapfen behangenen strohumbundenen Brunnen vorüber, auf dessen Knauf mitten im Schnee ein Tannenbäumchen mit bunten Netzen, Rosen und Bändern behangen, gesteckt war, der einzige bunte Fleck rundum.
»Sieh, der Weihnachtsbaum,« sagte das Mädchen und berührte die Schulter des Gefährten. Er sollte noch einen Blick darauf werfen.
Der alte Sepp vorn auf einem Heubund machte jetzt einen gewaltigen Buckel, schnalzte mit der Zunge, und wie ein Vogel fuhr der Schlitten die im Sonnenlicht leuchtende Schneebahn hinaus über die Hochebene hin.
In Rohrmoos ging ein jedes wieder an sein Tagewerk.